#12 Erika Pluhar

Shownotes

Erika Pluhar wurde 1939 mitten im 2. Weltkrieg geboren und blickt auf ein langes und ereignisreiches Leben zurück. Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin, Sängerin und heute vor allem auch Schriftstellerin erzählt warum ihr das Thema Tod nicht nur wegen ihres hohen Alters nahe ist, sondern in ihrem ganzen Leben immer wieder schmerzhaft präsent war. Sie spricht über den Tod ihrer Tochter Anna im Jahr 1999 und wie sie es danach geschafft hat, diesen zu überleben. Als sie die Todesnachricht erhielt, stand sie gerade im Studio und sang das Lied "I gib net auf".

Wir sprechen auch über ihr Leben als Frau, und was es heißt als Frau zu altern. Erika Pluhar wünscht sich mehr Mut von Frauen auch optisch zu ihrem Alter zu stehen. Sie betont, dass es keine Schande sein darf zu sagen "Ich bin eine alte Frau".

Am Tag unseres Gesprächs hält sie erstmals ihr gerade neu erschienenes Buch "Es war einmal: Rückblicke im Hier und Jetzt" in den Händen. In der Rückschau hält sie fest, dass ihr ihre Karriere als gefeierte Schauspielerin sehr gut gelungen ist, in ihrem Privatleben allerdings hätte vieles besser laufen können.

https://www.erikapluhar.net Hier gehts zum neuen Buch: https://www.residenzverlag.com/buch/es-war-einmal

Transkript anzeigen

00:00:06: Herzlich willkommen zum Podcast Memento Moare, Gespräche über den

00:00:11: Tod

00:00:11: und das Leben davor.

00:00:13: Ich bin Caroline Kirschbaumer und ich spreche mit unterschiedlichen Menschen über den Tot, über das Sterben, über Vergänglichkeit – und damit natürlich auch übers

00:00:24: Leben!

00:00:26: Es ist so dass ich neunzehntunterneinunddreißig geboren bin.

00:00:29: Als erste traumatische Erfahrung habe ich erlebt dass man sein Leben verlieren kann, das Leben endlich ist und Angst haben muss.

00:00:41: Dass ich dann erleben musste, dass meine Tochter starb war eine grauenvolle Bestätigung dessen was es bedeutet Verluste zu erleiden.

00:00:53: Und ich bin wirklich nur deswegen am Leben geblieben um dieses Kind diesen fünfzehnjährigen Buben nicht alleine zu lassen.

00:01:02: Ich bin dem Lebensende sehr nah.

00:01:08: Aber ich bin nicht ein alter Mensch, der sich diesem Gedanken eher das lieber verdrängt sondern ich bin da voll damit eigentlich im Einverständnis.

00:01:22: Das muss man sagen können und ist keine Schande!

00:01:26: Ich bin eine alte

00:01:27: Frau.

00:01:30: Herzlich willkommen, liebe Erika Plouha.

00:01:32: Ich freue mich wirklich sehr, dass ich heute hier bei Ihnen sein kann und wie dieses Gespräch führt.

00:01:38: Ja, und ich würde das Gespräch sehr gern, weil die Thematik mir sehr nahe ist.

00:01:44: Vielen Dank!

00:01:46: Sie sind oder waren früher noch mehr Schauspielerin?

00:01:51: Sängerinnen und sind jetzt vermehrt, aber Schriftstellerin.

00:01:54: Also sind sie auch schon lange.

00:01:55: Aber das ist das, was glaube ich in ihrem aktuellen Leben am präsentesten ist, das Bücher schreiben.

00:02:01: Und Sie haben ein neues Buch, das Sie heute zum ersten Mal in den Händen gehalten haben, dass im September erscheinen wird.

00:02:09: Das heißt es war einmal Rückblicke hier und jetzt.

00:02:13: Das ist das aktuellste Werk.

00:02:17: Ja, ich beginn gleich damit.

00:02:19: Ich hab Ihnen ja ein Anfrage-Email geschickt und dann haben Sie angerufen und haben mir zugesagt, dass Sie dieses Gespräch führen.

00:02:26: Und das hat mich sehr gefreut natürlich!

00:02:29: Und Sie haben gesagt, ich bin siebenundachtzig wenn ich es

00:02:32: richtig in Erinnerung

00:02:33: habe.

00:02:34: Das Thema ist mir nahe oder der Tod ist mir so irgendwie, haben Sie's gesagt?

00:02:40: Da wollte ich jetzt einfach nochmal nachfragen genauer Was ist es denn, was sie so klar ja sagen lässt zu diesem Thema?

00:02:48: Also nicht nur mein jetziges Alter.

00:02:50: Siebenundachtzig Jahre sondern mein ganzes Leben.

00:02:53: Denn ... Es ist so dass ich neunzehnhundertneinunddreißig geboren bin und das genau mein... Mein erster traumatisierender Kindereindruck war die Bombardierung Wiens.

00:03:06: Wir haben hier in Döbling gewohnt Und da hat's ungefähr so ausgesehen nach den Nach den Bombenangriffen, wie jetzt die Bilder aus Kiew oder so.

00:03:15: Und wir mussten zum Park laufen in einen Stollen- oder Luftschutzkeller.

00:03:21: Die Hälfte unseres Hauses wurde getroffen.

00:03:23: also ich habe wirklich sofort als Kind Als erste traumatische Erfahrung habe Ich erlebt dass man sein Leben verlieren kann.

00:03:34: das leben endlich ist dass Man angst haben muss kann und uns gefährdet.

00:03:44: Ich hatte eine sehr kluge Mutter, wir hatten zwei Schwestern und wir sind dann am Ende des Krieges evakuiert worden.

00:03:53: mein Vater war an der Front.

00:03:58: Das ist eine Geschichte, die ich auch in dem Buch, das Sie jetzt schon erwähnt haben noch einmal erzähle.

00:04:03: Dass wirklich meine sehr kluge Mutter ist mit mir, wir waren evakuiert also aufs Land verschickt wurden damals die Familien um die Bombenangriffe nicht so zu erleben.

00:04:12: Wir waren in Oberösterreich und in Matlikhof.

00:04:16: in diesem Ort ging meine Mutter mit mir in ein Gasthaus wo ein Saal war und da gesagt sie zeigt mir jetzt einen Film.

00:04:28: Also ich saß vor einer weißen Fläche.

00:04:30: und was war der erste Film, den ich sehen musste?

00:04:33: Das war der ersten schwarz-weiß Film von Krampambully.

00:04:38: Und ich war unglaublich tierlieb.

00:04:40: und dann stirbt der Hund unter Jäger wird begraben.

00:04:45: Ich habe so geweint umgeschrieben dass meine Mutter mich aus dem Saal führen musste.

00:04:51: Ich hab gestört und das hat mein Leben geprägt Und das habe ich auch in diesem neuen Rückblickgebuch noch mal beschrieben.

00:04:59: Weil sie hat wirklich gesagt, Erika ist doch alles erfunden.

00:05:03: Czak!

00:05:03: Hat's bei mir gemacht.

00:05:05: Ja ja, das ist ein Schauspieler der lebt ... Der Hund ist okay, den haben wir nur so hingelegt und so weiter.

00:05:13: Jedenfalls hab' ich da als Kind wirklich begriffen und es hat mein Leben geprägt.

00:05:20: Also der Krieg?

00:05:22: Das ist wirklich reale... Schrecklichkeit, das ist Katastrophe.

00:05:27: Ganz realistisch!

00:05:28: Aber man kann auch weinen heulen sich aufregen und es ist erfunden.

00:05:33: Und bitte was wurde aus mir?

00:05:35: eine Schauspielerin?

00:05:36: Man erfindet seine Rollen, meine Schriftstellerin, Lieder... Also ich habe mein ganzes Leben eigentlich auf dieser Möglichkeit des Erfinden können's aufgebaut also auch als Schauspielerin und ich muss dann noch jetzt wirklich erwähnen dass ich zurzeit Null Schauspielerin bin, sicher habe ich in mir die Fähigkeit den Menschen etwas zu interpretieren und bewusstzumachen.

00:06:03: Wenn ich jetzt schreibe oder singe oder Lesungen mache dann bin es nur noch ich!

00:06:11: Ich habe mit einer Schauspielerin nichts mehr zu tun.

00:06:15: Außerdem war meine forty Jahre am Theater, das waren noch ganz andere Theaterjahre.

00:06:21: Dann hat man nämlich in der Rolle wirklich bei sich selbst gesucht und ... Also aber wenn man mein neues Buch liest kann man auch darüber viel erfahren über Harold Pinter und Peter Hall und so.

00:06:32: Also lauter Sachen die kein Mensch mehr weiß.

00:06:35: Das werde ich tun?

00:06:36: Genau!

00:06:38: Aber das war eben schon eine ganz frühe Verbindung mit diesem Thema, da sind wir uns ja hier treffen.

00:06:43: Und

00:06:43: da erinnern Sie sich auch noch konkret an dieses Thema?

00:06:45: Ich hab so vieles in meinem langen Leben ... weiß ich nicht mehr mehr.

00:06:49: Aber diese Kinderzeit mit Krieg ist in mich eingebrannt.

00:06:55: Dann weiß ich alles.

00:06:56: Ganz genau!

00:06:58: Und dieses Haus, das zur Hälfte weg war am Trautenauplatz Da gehe ich manchmal vorbei, da sehe ich unsere Wohnung.

00:07:05: Ich weiß, wie das halbe Haus weg war.

00:07:07: Hat man dann wieder angebaut, es steht noch dieses

00:07:09: Haus.".

00:07:11: Das hat wirklich auch mit diesem Bewusstsein von Vergehen und Gefahr und Gefährdung des menschlichen Lebens schon zu tun gehabt, mein Lebensbeginn.

00:07:26: Und ... Ich hatte wunderbare Eltern.

00:07:29: Mein Vater kam aus dem Krieg zurück.

00:07:32: Für mich war wirklich erlösend, die Möglichkeit an in die Schule zu gehen und schreiben zu lernen.

00:07:41: Lesen zu lernen, Bücher lesen können, Geschichten scheiss.

00:07:46: Die Schule war für mich sofort etwas Wunderbares und ich war dann auch mein ganzes Schulleben lang bis zur Matura immer so ein Erdvorzugsschülerin aber nicht weil einen Vorzug wollte, sondern weil ich einfach eine Freude hatte am Erlernen und vor allem an dieser Möglichkeit dass man etwas schreibend und lesend erfährt.

00:08:09: Gut aber dann habe ich natürlich in jungen Jahren bald Theater gesehen.

00:08:13: also ich saß noch mit meiner Großmutter im zerstörten Rathauspark und wir blickten hinüber auf das zerstöerte Burgtheater.

00:08:24: Das habe ich gesehen, noch mit Brettern vernagelt kaputt.

00:08:29: Dann wurde ich als Schulsprecherin, die ich dann in diesem Gymnasium eingeladen bei der Eröffnung des Burgtheaters anwesend zu sein König Otto Kassglück und Ende.

00:08:42: Und als ich nach zwei Jahren Schauspielschule schon als Elefin ans Burgtheater engagiert wurde, Hallo!

00:08:50: Das hast du ja damals so kaputt noch gesehen.

00:08:52: Also, ein langes Leben hat schon ... das merke ich jetzt sehr.

00:08:57: deswegen auch diese Rückblicke in diesem Buch.

00:09:01: Ich merke einfach wie lange ich schon lebe und wie von heute entfernt meine Erinnerungen

00:09:09: sind.

00:09:10: Und es wird auch so vergessen... ich spreche also wirklich mit jüngeren Menschen dann wissen die nicht einmal mehr wer der Harry Bella Fonte war oder Wer der Harold Pinter war und er, wie wer?

00:09:22: Man muss sich googeln oder so.

00:09:27: Also hat auch dieses Thema mit diesem Buch das jetzt gerade eben erschienen ist zu tun.

00:09:32: Und als ich dann begonnen habe selbst meine Liedtexte zu schreiben War das auch sehr schnell Thema in meinen Liedern

00:09:45: Die Vergänglichkeit.

00:09:47: Und es war mir immer irgendwie bewusst Dass ich dann erleben musste, dass meine Tochter starb.

00:09:56: War eine grauenvolle Bestätigung dessen was es bedeutet Verluste zu erleiden, zu sterben aus dem Leben zu gehen.

00:10:08: und als meine Tochte mit siebenunddreißig Jahren starb bliebe ich eigentlich nur am leben weil ich davor schon... Ich habe ihn adoptiert weil meine Anna meinte er soll nicht Brock scheißen wie ihr wie sie, sondern er sollte meinen Namen tragen und wir haben ein Kind aus Westsahara.

00:10:28: Ein afrikanisches Kind habe ich adoptiert das ist der Ignaz Bluha, der jetzt am Freitag für vierzig Jahre alt wird und schon einen Sohn hat, der mein Urengel ist.

00:10:39: also es alles war witzig.

00:10:41: aber damals war der Ignas fünfzehn Jahre alt als die Anna starb und er hatte niemanden weil er ja adoptiert war.

00:10:50: Anna war seine Mutter und ich war seine Großmutter.

00:10:53: Sonst gab es niemanden, das war der Grund, dass ich am Leben geblieben

00:10:56: bin.".

00:10:58: Das wollte ich auch noch nachfragen.

00:11:04: Ich habe schon Interviews gelesen, da haben Sie darüber gesprochen.

00:11:08: Und Sie sagen eben ... Der Tod Ihrer Tochter war für sie kaum überlebbar bzw.

00:11:15: ist ein Teil mitgestorben.

00:11:18: Da wollte ich einfach fragen, wer waren Sie da vor?

00:11:23: Oder wer wurden sie danach.

00:11:26: Was hat sich verändert oder ...

00:11:28: Ich hab jetzt sehr seltsam so für mich noch mal erfahren.

00:11:33: Es gab doch jetzt diese Sonnenfinsternis und dann haben wir alle gesagt ja, ja, das war die letzte Sonnen-Finsterniss.

00:11:40: Plötzlich fiel mir ein.

00:11:43: In der Zeit wurde ich sechszig Jahre alt.

00:11:46: Ich habe Abschied vom Burkthater mit Glanz und Gloria genommen vor dem Sommer.

00:11:51: Das ist ein viertigjähriger Burkteater, meine Tochter hat das fest noch organisiert hier im Haus.

00:11:57: Wunderbar!

00:11:59: Ich sah dann von Balkon meiner Mutter aus mit ihr die Sonnenfinsternis in diesem Jahr.

00:12:07: Und im Oktober dieses Jahres starb meine Tocherin.

00:12:10: Also, in den Neunzehnten war das Jahr meiner totalen Sonnenfinsternis.

00:12:16: Und ich bin wirklich nur deswegen am Leben geblieben, um dieses Kind, diesen fünfzehnjährigen Buben nicht alleine zu lassen.

00:12:25: Und habe seltsamerweise auch nichts abgesagt.

00:12:33: Ich hab alle Termine die ich hatte als Sängerin weiter ... Also ich hab sie wahrgenommen.

00:12:40: War das eine Überlebens-Taktik?

00:12:42: Einfach weil ich ja auch weiter verdienen wollte und dass einfach weitergelebt.

00:12:48: und mein Freund Antonio Dalmeida, der noch lebt mit dem ich musiziert habe.

00:12:52: Und er ist ein lebenslanger Freund von mir.

00:12:55: Er sagt immer diese Konzerte nach Anastoth mit mir waren für ihn so schrecklich weil ich hab alles ganz ordentlich gemacht aber ich war eine Maschine.

00:13:07: Er war also mit einer Maschine auf der Bühne die alles getan hat.

00:13:12: Ich habe dann nachträglich weiß Das dieser Schnitt ist einfach geschehen.

00:13:20: Da war dieses Sonnenfinsternis, und mein Weiterleben war ab dem Moment total verändert bis heute.

00:13:30: Aber ich bin Agnostiker, ich bin überhaupt nicht religiös aber ein Agnosticker schließt auch nichts aus.

00:13:39: Aber glaubt nicht diesen ganzen blöden Klimbimm den die Menschen brauchen um irgendwo Halt zu haben, weil unser Leben Darauf komme ich immer wieder zu sprechen, eigentlich eine Zumutung ist.

00:13:50: Wir kommen auf die Welt wir wissen gar nichts!

00:13:54: Wir wissen nur dass wir wieder gehen müssen.

00:13:56: aber das deutsche Wort zumutung enthält dem Begriff Mut.

00:14:02: also ohne einen gewissen Lebensmut kann man nicht existieren.

00:14:07: und Ich habe dann gemerkt nach Anders Tod Dann irgendwann mal erfährt Man Dass man lacht habe ich erfahren, dass mir was schmeckt.

00:14:18: Dass ich esse oder dass sich mir gerne vielleicht ein Film an.

00:14:23: Irgendwie kommt das Leben und nimmt einen wieder irgendwie in den Griff.

00:14:31: Wie mehr?

00:14:31: so wie vorher aber neu, aber wieder?

00:14:35: Darf ich dazu nämlich ... Das passt gut, hab ich mir eine Passage aus ihrem Buch spätes Tagebuch rausgenommen.

00:14:43: jetzt autobiografisch ihr Leben eins zu eins beschreibt, aber möglicher.

00:14:46: Es gibt ja durchaus auch Parallelen.

00:14:50: Ich würde einen Teil da kurz lesen wollen.

00:14:52: Ja?

00:14:52: Möchten Sie es lieber lesen oder soll ich's lesen?

00:14:54: Ich

00:14:54: hab keine Brille auflesen.

00:14:56: Dann

00:14:58: hören sie sich an!

00:14:59: Auch wenn Schicksalsschläge nicht umsonst heißen sie so einen Erschlagen und getötet haben... Erwachen im Weiterleben allmählich diese scheinbar unerlässlichen Lebensenergien, die uns wieder lebendig sein lassen.

00:15:14: Der Trank sich über etwas zu freuen oder zu ärgern zum Beispiel.

00:15:19: Sich etwas zu wünschen, sich nach etwas zu sehnen, etwas genießen zu wollen eben wieder den Vorstellungen nachzugehen, die man durch lange Jahre vom Leben hatte und dann vor allem der scheinbare, unstilbare Wunsch sich auszudrücken etwas mit Hilfe der eigenen

00:15:35: Anwesenheit

00:15:35: auf Erden sichtbar werden zu lassen.

00:15:38: Das alles nicht mehr als Lebensantrieb zu benötigen, sich das Stille zu ergeben und unsichtbar zu werden – die Abkehr aufrichtig zu verwirklichen ist wohl die härteste aller Übungen um in Würde zu altern und Abschied

00:15:53: zu

00:15:53: nehmen.".

00:15:55: Ja genau!

00:15:57: Ich habe es nicht mehr so im Sinn weil dieses Buch hab ich schon vor einiger Zeit geschrieben aber es entspricht genau dem sind genau Gedanken, die ich nach wie vor

00:16:07: habe.

00:16:08: Das heißt das ist nach wie vorher?

00:16:11: Ich bin nur seit ich dieses Buch geschrieben habe schon wieder um einige Jahre älter geworden und es ist jetzt schon so mit siebenundachtzig Jahren.

00:16:20: rundum sind alle Wegbegleiterinnen gehen.

00:16:26: in meinem Alter wird heftigst gestorben entziehe ich mich auch in keiner Weise diesen Gedanken, dass mein Leben jetzt nur mehr ... Jetzt lebe ich noch.

00:16:41: Aber das ist schon ... Man kann immer einen der Tod ereilen, aber bei mir ist es sehr absehbar.

00:16:49: Ich bin nicht ein alter Mensch, der sich diesem Gedanken eher ... Er hat das lieber verdrängt, sondern ich bin da voll damit eigentlich im Einverständnis.

00:17:03: Das heißt, Ihre eigene Endlichkeit ist Ihnen sehr bewusst.

00:17:08: Ja.

00:17:10: Und war Sie gewissermaßen immer schon ... Wie Sie beschrieben haben ein wenig?

00:17:16: Durch den Kriegsbeginn, dem Verlust eines Kindes, wo man weiß, dass das das Schlimmste ist.

00:17:22: Und jetzt durch das Alter bin ich dem Lebensende sehr nahe.

00:17:30: Ich meine, ich sitze vor Ihnen und ... Ich bin noch relativ normal beieinander.

00:17:36: Und es geht noch, ich kann auch noch was gar nicht so ... Selbstverständlich kann noch singen meine Lieder und ich kann vor den Leuten Sitz- und Innenvorlesung singen usw.

00:17:48: Aber ich weiß ganz genau, dass das endet.

00:17:54: Und ich werde sicher nicht ein klägliches zugrunde gehen auf mich nehmen.

00:18:01: wenn es an der Zeit ist.

00:18:03: Mein Freund Michael Horowitz, er war Haurausgeber im Kurier und so.

00:18:09: Wir waren sehr befreundet.

00:18:10: Er hat einen ganz skalopirischen Krebs bekommen.

00:18:15: Und seine Frau hat das erreicht, also bürokratisch musste bestätigt werden.

00:18:20: Und dann irgendwann gesagt, ich gehe jetzt.

00:18:24: Das haben sie auch gemeinsam ... Geht in Österreich schon?

00:18:28: Man muss nicht in die Schweiz reisen.

00:18:30: Ich habe ganz gewiss vor, ich hab eine Patientenverfügung.

00:18:35: Sollte ich mit vielen Schläuchen in Ihrem Spital langen ist mein Sohn oder Enkelsohn hat die Vollmacht, dass das alles abgedreht wird.

00:18:45: und wenn ich wirklich hier im Haus oder persönlich so wirklich vollkommende Solat werde, dass kein Leben mehr ist, dann werd' ich aus dem Leben gehen.

00:18:58: Das hab ich fest vor.

00:19:02: Das alles mache ich ohne mir zu erwarten, dass der liebe Gott oben ... Ich war ein sehr frommes Mädchen eigentlich nach dem Krieg.

00:19:10: Auch weil wir überlebt hatten und so.

00:19:12: Aber trotzdem geschehen dann so Sachen... Und das habe ich eben auch jetzt in dem Buch beschrieben, was gerade erschienen ist als Rückblick.

00:19:22: Dass meine Anna wirklich auf ihrem Vorbeikon eine vollkommen dürre und Rosenstock stehen.

00:19:31: Er hat wirklich total Erde, Stock ausgetrocknet.

00:19:35: Eigentlich stand es da, um dann weggeworfen zu werden.

00:19:38: Und sie starb.

00:19:39: und ich schaue ... Das kam aus diesem verdrockneten Stock eine große weiße Rose.

00:19:47: Es war meine Freundin Eveline Frerck.

00:19:49: Die Fotografin hat das fotografiert.

00:19:51: Das war auf der CD.

00:19:56: Ich geb nicht auf.

00:19:58: war diese Rose drauf.

00:20:02: Und die Anna starb noch dazu, also als ich Geburtstag hatte den Sechzigsten habe ich die ganze Nacht I Will Survive getanzt dieses damals, dieses Lied und hab dann gesagt ah ich mache ein Lied darauf ihr gib nicht auf.

00:20:20: und diese Schallplatte haben wir aufgenommen im Studio und da wurde dann geklopft und mir mitgeteilt dass meine Tochter verstorben ist.

00:20:29: CD, Ich Gib nicht auf hat am Titel.

00:20:33: Auf der sieht man diese seltsame weiße Hose und ich sehe das schon für mich selbst als einen Gruß.

00:20:41: aber ich würde das nie verallgemeinern in irgendeine spirituelle oder esoterische Theorie.

00:20:47: Aber es war irgendwie wirklich erstaunlich!

00:20:49: Und auch dass ich im Sinn hatte, Ich Gib nicht auf gerade im Studio aufzunehmen Und als geklopft wurde, war ich gerade dabei ein Lied das der Klaus Drabic komponiert hat zu singen.

00:21:08: Heißt die unerfüllbaren Wünsche und fängt so an.

00:21:11: Ich möchte was haben, was mir für ewig gehört und möchte an etwas glauben dass mir kein Zweifel stört.

00:21:18: Ich sitze so gern da und die Welt kommt her zu mir.

00:21:22: also wenn wir das jetzt singen dieses Lied die unerfüllbaren Wünsche, dann gehen wir uns immer nachher die Hand.

00:21:29: Weil die Musiker waren alle dabei sich das erfahren habe und mit ihnen arbeite ich immer noch.

00:21:35: Und das Schöne ist dass wir da nie darüber gesprochen haben wie Ich Das aufgenommen habe was sie miterleben mussten als ich das erfuhre.

00:21:45: also es gibt schon in unserem Dasein so Verknüpfungen die ich erfahre.

00:21:58: Es gibt Menschen, die mich begleiten und behaupten, ich würde das immer besonders intensiv erfahren.

00:22:05: Aber ich mache daraus keine Theorie oder so.

00:22:08: Aber es ist schon immer wieder so, dass das Leben mir irgendeine seltsame Antwort gibt.

00:22:14: Nur würde ich nie sagen, das ist jetzt Gott, der mir diese Antwort gibt?

00:22:18: Das ist das Leben!

00:22:22: Ich habe auch gelesen ... Das geht auch aus dem hervor, was Sie sagen.

00:22:28: Dass sie keine Angst haben vor dem Tod an sich.

00:22:33: D.h.,

00:22:33: sie sind relativ angstfrei?

00:22:36: Wenn das Flugzeug furchtbar schaukelt, habe ich schon Angst!

00:22:40: Ich möchte nicht ... Ich habe sicher Angst zu einem qualvollen Sterben.

00:22:45: Ja.

00:22:48: Aber der Tod ... hinüberzugehen in den Tod.

00:22:52: Im Gegenteil, nach dem Tod meiner Tochter war mir nicht so erwünscht wie nichts.

00:22:59: Damals hatte ich das Gefühl, der muss doch herrlich sein, wenn nichts ist.

00:23:03: Nichts empfinden, nichts denken ... Nichts!

00:23:07: Also, ich mache mir da auch keine Vorstellungen, was wir dann im Gestorben sind.

00:23:15: Das Sterben selber Als Vorgang, da hätte ich schon lieber was manchen Menschen Glück, dass sie entschlafen.

00:23:23: Das wäre das Schönste.

00:23:26: Also qualvoll sterben möchte ich natürlich nicht.

00:23:29: Aber Tod sein stört mich in keiner

00:23:33: Weise.".

00:23:34: Und das war vor dem Tod Ihrer Tochter anders?

00:23:36: Können Sie sich da erinnern?

00:23:37: Eigentlich habe ich vor dem Tot meiner Tochter doch immer dieses Kinder ... Trauma in mir gehabt, vom Krieg und von... Also ich war nie ganz frei davon auch an ein Vergehen zu denken.

00:23:55: An einen zu Ende gehen Und hab das auch in Liedern schon irgendwie formuliert.

00:24:04: Zum Beispiel habe ich ein Lied geschrieben.

00:24:06: oft weiß ich nicht wie ich weiter leben soll aber Ich weiss dass ich lebe dass ich am Leben bin.

00:24:13: Oft weiß ich nicht, wie ich das ertragen soll.

00:24:16: Aber ich weiß, dass ich es

00:24:17: trage.".

00:24:18: Das habe ich geschrieben in jungen Jahren!

00:24:22: Ich war auch als ganz junges Mädchen anorexiekrank.

00:24:28: Was bedeutet, dass sich das Frauwerden einfach verweigert habe?

00:24:31: Weil ich hab dann schon Beauvoir gelesen und Reven Klo und so.

00:24:35: Und um mich waren lauter Hausfrauen, die sich beklagt haben, dass sie nur Hausfrauen sein müssen usw.

00:24:42: Ich war der klassische Fall einer Magersucht, weil man das Frau sein nicht mag.

00:24:50: Es hat sich aber bei mir dann glücklicherweise noch in jüngeren Jahren ... Hab ich die Magersicht überwunden?

00:24:57: Was mir nur fürs Leben geblieben ist, ist, dass ich nie koche!

00:25:01: Das hab' ich schon gelesen,

00:25:02: ja?!

00:25:02: Ja, ich habe ihn in der Magersüchte sehr gerne gekocht.

00:25:06: Ah, schon.

00:25:07: Da hab ich gekocht vielleicht, weil etwas in mir sich doch nach einer Erzinnlichkeit gesehen hat und meine Mutter immer dachte, jetzt kocht sie!

00:25:16: Und dann war sie furchtbar.

00:25:17: die Ormeneltern waren.

00:25:19: Damals war das ja überhaupt noch nicht besprochen wie ich das hatte.

00:25:23: Jetzt ist das ein übliches Thema.

00:25:25: Das war damals ... Die haben gedacht, ich bin verrückt geworden.

00:25:29: Wenn ich gekrocht habe, haben Sie gehofft, ich würde ... Nein, ich hab ihn serviert aber auch nichts ... Ich merke auch, wenn ich jetzt wieder so über die Vergangenheit und mein Leben spreche.

00:25:43: Warum ich bei diesem Thema wirklich sofort zugesagt habe?

00:25:47: Weil es mir einfach ein geläufiges Thema ist, dass unser Leben vergänglich ist.

00:25:53: Dass das nur eine Zeit lang uns beherbergt.

00:25:57: Dass da sein wie unser Sein in der Gänze ausschaut.

00:26:04: Da such neben ... Menschen, die Religion, den Glauben.

00:26:08: Die Philosophie und so weiter ... Das lass ich mir

00:26:13: offen.

00:26:14: Lassen Sie sich offen.

00:26:15: Wie würden Sie jetzt den Tod beschreiben?

00:26:17: Wenn Sie es jemand beschreiben müssten.

00:26:19: Was würden Sie sagen ist der Tod?

00:26:23: Aus dem Leben zu gehen.

00:26:27: In's Nichts!

00:26:29: Ob in diesem Nichtsenerginn herrschen oder ... Aber wenn die Leute glauben, im Himmel oben treffen sie einander wieder.

00:26:37: Ich hab ja ein großes Foto meiner Tochter hier im Haus und ich spreche auch jeden Tag mit ihr am Morgen und am Abend.

00:26:45: Das ist ein wunderbares großes Bild.

00:26:49: Und da weiß ich es ... Ich spreche mit ihr, weil Sie in mir sind!

00:26:56: Also, ich sprech' nicht mit einer Anna, die da irgendwo in den Sternen ist.

00:27:02: Was aber in den Sternen ist, man weiß es nicht.

00:27:05: Ich denke mir, wie muss das erstaunlich sein für die, die um den Mond herumgeflogen sind?

00:27:12: Gestern war so eine schöne Vollmond-Nacht und ich hab mir gedacht ... Die sind wieder auf der Erde gelandet!

00:27:19: Wenn die jetzt da rauf schauen, sagen sie oh ja... Hinter dem Mond sind wir gewesen.

00:27:25: Aber wenn man das sich überlegt, kann man doch nicht sagen, da oben ist der liebe Gott und irgendwo treffen wir alle drunter.

00:27:31: Es gibt immer noch Menschen die das glauben.

00:27:33: Und es gibt immer auch Religionen, die hier auf Erden die Menschen ermorden im Namen dieses Gottesdienstes nicht geben.

00:27:43: Sie haben ja jetzt schon gesagt ... Der Tod ist ihnen nahe, auch quasi zeitlich nahe.

00:27:49: Weil sie schon ein langes Leben hinter sich haben ... Ich

00:27:52: bin verhältnismäßig alt.

00:27:53: Sie sind

00:27:54: verhältnismäßig

00:27:55: alt?

00:27:55: Und ich sag oft meinem Publikum, ich bin eine alte Frau und will so einen murren.

00:28:00: Da sage ich nicht!

00:28:01: Das muss man sagen können und ist keine Schande.

00:28:04: Ich bin eine halte Frau.

00:28:06: Gut dann sagen wir es so.

00:28:08: Sie sehen deine alte Frau.

00:28:13: Sie leben in der Vorstellung, sie haben jetzt nicht mehr unendlich viel Zeit.

00:28:18: Wie setzen Sie in dieser Vorstellung Ihre Prioritäten bzw.

00:28:23: auch setzen Sie sie anders noch als früher quasi im konkreten Wissen der Endlichkeit des Alters?

00:28:32: Ich muss gestehen ... recht froh darüber bin, dass ich nicht vereinsame.

00:28:38: Weil das ist natürlich sehr oft eine Folge erscheinend des Sehr-Alt-Werdens.

00:28:42: Ich wohne hier alleine in dieser Wohnung aber in diesem Haus lebt eben auch die junge Familie mein Enkel, meine Uhrenke, meine Schwiegertochter und so weiter... Ich lebe alleine, aber ich bin schon sehr froh, dass es da eine Verbindung zu Jugend gibt.

00:29:02: Ich bin ein sehr politischer Mensch geworden in meinem Leben, aber nicht ein parteipolitischer.

00:29:10: Sondern ich hab mir immer die Welt angesehen und im Moment schaut es ja wirklich fürchterlich aus.

00:29:18: Trotzdem möchte ich gerade hierzulande keine alte Frau sein, die dann sagt all das war früher wunderbar und jetzt ist es furchtbar.

00:29:27: Die ganze digitale Tsunami-Geschichte und die KI Sache ist natürlich schrecklich.

00:29:33: Damit müssen die Menschen auch in Zukunft fertig werden.

00:29:36: Ich glaube, dass man sicher auch ... So schreibe ich das auch im Buch sogar als der Buchdruck erfunden wurde, glaub ich.

00:29:43: Haben die Leute schon glaubt um Gotteswillen was wird mit der Menschheit passieren?

00:29:46: Oder die Elektrizität oder die industrielle Revolution Flugzeuge und Gotteswind Autos!

00:29:54: Also da sage ich eben jeden Morgen eigentlich trotzdem weiter Der Mensch im Hinblick auf mein wunderbares, urenkel Kind.

00:30:06: Merlin kommt jetzt in die Schule und ist ein kluges, wunderbaares Menschenwesen.

00:30:13: Da wünsche ich mir schon, dass der Mensch auch diese neuerlichen ganz anderen Bedrohungen wieder irgendwie den Griff bekommt.

00:30:22: Für meine paar Jahre geht sich das nur irgendwie aus.

00:30:27: Denn wir hier in Österreich müssen uns bewusst sein im Moment ... Das ist ja vergleichsweise eine Art Paradies, wie wir hier leben.

00:30:36: Aber so im Kleinen, ihr Alltag?

00:30:38: Was mache ich

00:30:42: heute?

00:30:43: Da versuche ich einfach ... So analog zu leben, wie es nur geht.

00:30:47: Ich hab zwar ein Laptop, aber ich mach überhaupt keine SMS-Geschichten und so.

00:30:53: Ich habe das Handy wirklich nur zum Telefonieren.

00:30:56: Und auch noch einen Festnetz.

00:30:59: Und ich hab ein Leptop, schreibe nur, beantworte nur Briefe.

00:31:05: Und wenn ich irgendwas kriege und jemand will, dann sage ich bitte ... wie ist die Telefonnummer?

00:31:11: Man telefoniert einmal und hat alles geregelt, wozu man SMS fünf hin- und herschicken müsste.

00:31:19: Ich brauche für den Alltag natürlich mein Tagebuch, das nicht zur Herausgabe bestimmt ist dass ich auch oft mein Klagebuch nenne.

00:31:31: Das kommt auch in dem neuen Buch vor, es ist wirklich ... wo ich mich auch ... Ich brauche das Schreiben für die Klage und dort am Laptop versuch' ich halt immer wieder, mich als Autorin zu äußern.

00:31:47: Wobei mir das in der jetzigen Gegenwart mit der Erfindung sehr schwerfällt, weil ich kann keinen jüngeren Menschen erfinden, eben mit Handy und mit Computer umgeht.

00:32:00: Also bin ich jetzt zum Beispiel an einem Gespräch, falls es jemals noch zu einem Buch kommen sollte, da unterhält sich eine neunzigjährige Mit einer Jüngerin und sie reden Und in dem Gespräch kann ich dann natürlich wieder auch alles unterbringen Was ich an Erinnerungen weiß was ich sagen möchte als Mensch was ich zur Gegenwart äußere und so weiter.

00:32:22: Also so schaut mein Alltag aus und dann gibt es ab und zu Auftritte.

00:32:26: Da gegenüber im selben Stockwerk ist mein Büro, da sitzt mein Mitarbeiter der Heimophrid schon, der organisiert Lesungen und Konzerte.

00:32:35: und jetzt zur Veröffentlichung des neuen Buches wird wieder einige Lesungen geben und eine Präsentation in Buchhandlungen und Reisen.

00:32:46: Ich versuche möglichst immer Hotels zu vermeiden, also lieber komme ich um vier oder fünf Uhr früh wieder nach Hause.

00:32:54: Weil Hotels machen mir Mühe und Flugreisen machen wir Mühe.

00:32:59: Da brauche ich schon Begleitung usw.

00:33:02: Aber ... Ich werde so in dieser Form wie ich da jetzt sitze, werde ich leben solange es mir so gelingt aber nicht sehr lange verfallen.

00:33:18: Das habe ich vor.

00:33:21: Sie haben es jetzt auch kurz erwähnt und das habe ich, glaube ich in einem Interview gelesen.

00:33:26: Dass der Morgen in der Früh so diese erste halbe Stunde für sie oft so am schwierigsten ist.

00:33:31: und da habe ich ein Zitat mir aufgeschrieben dass aber glaube ich schon älter ist.

00:33:37: wo sie sagen am gefährlichsten sind die ersten dreißig Minuten am morgen weil man mit dem Gefühl aufwacht was willst du diesem Leben noch abgewinnen?

00:33:46: deine Liebsten sind gegangen und die Zukunft ist nicht mehr da Nichts mehr nötig dich zu bleiben, du gehörst nur noch dem Warten auf dem Tod.

00:33:54: In diesen Momenten muss ich wirklich um meine Lebenskraft

00:33:57: kämpfen.".

00:33:59: Ja ja und das stimmt auch.

00:34:00: und natürlich nennt man das ganz simpel eine Altersdepression.

00:34:06: Und ich bin wirklich partiell auch depressionskrank aber ich weiß es In dem ich einfach an mein Klagebuch gehe und mich den Tagesablauf stelle.

00:34:26: Aber dieses nichts mehr zu erträumen, als Zukunft vor sich zu haben ... Das hat schon auch mein erfundenes Leben sehr begleitet.

00:34:41: Dass ich auch Liebesbeziehungen ... die ich hatte dann oft in der Erträumung noch so ein bisschen ausgebaut habe und so.

00:34:48: Und ich bin nach wie vor mit siebenundachtzig Jahren eine Frau, der Männer gefallen.

00:34:55: Also es gibt ... Der Männer furchtbar missfallen.

00:34:58: also wenn einer zu mir käme mit diesen hochgeschorenen Frisuren aller Hitler das alle nicht mehr wissen was sich da antun?

00:35:06: Und oben haben's die Heume im Schädel oder wie die Fußballer eben ausschauen.

00:35:12: So einen Herr könnte mich in jüngeren Jahren nie erobert haben, aber mir kann sehr plötzlich jemand ihr sich nicht gut gefallen und mein weibliches Interesse ist auch noch vollkommen da obwohl ich schon sehr lange keine Beziehung zu einem Mann mehr pflege.

00:35:30: Ich habe wirklich auch in meinem ganzen Leben, weil wir doch jetzt mit allen Diversitäten unterwegs sind in der Umgebung von alles Schwarzer und auch Freundinnen.

00:35:41: Wirklich wunderbare, lesbische Frauen haben mich sehr geliebt.

00:35:45: Und ich habe mir das wirklich überlegt.

00:35:48: Zu meiner allerbesten Freundin Christine de Grandsie, die Fotografin, die auch schon verstorben ist, diese schönen Fotos von mir gemacht hat.

00:35:55: Und so hab ich immer gesagt, wenn dann du ... aber tut mir leid, geht nicht!

00:35:59: Ich bin leider... Hetero kann man nichts machen.

00:36:03: Dabei sind meine hetero Beziehungen oft gruselig gewesen, war ja nicht nur immer schön aber ich brauche eben irgendwie den Gegensatz.

00:36:11: also ich habe mich durch das alles sehr bewusst durchgeschlagen muss ich sagen auch doch mein liebesleben ich hatte wunderbare Affären in meinem Leben.

00:36:22: Aber Sie würden sich auch noch auf etwas einlassen, wenn es sich ergebe?

00:36:27: Nein

00:36:27: ich möchte meinen Körper jetzt eigentlich mir selbst überlassen.

00:36:31: also wenn dann müsste das ein ganz alter Mann sein und das will ich nicht und wenn sein junger ist dann will ich's auch nicht.

00:36:39: Gut und alt und nicht jung ist schwierig!

00:36:41: Ja genau und außerdem ist es auch nicht mehr notwendig.

00:36:49: Wenn ich da sitze, schaut das nur alles ganz gut aus ... Ich will diesen alten Körper, den ich habe ja auch gern haben soll er ruhig so sein aber ich will ihn nicht mehr benutzen dann wir's so oder irgendwie in eine Situation stellen wo er sich doch irgendwie behaupten müsste unser Körper musste sich als Frau ein Muss sicher behaupte.

00:37:11: Der weibliche Weg ist auch ein sehr schwieriger.

00:37:15: Wirklich etwas zu empfinden, wirklich zu lieben, verlieben geht dann aber dass das überschlägt in die Liebe.

00:37:24: Das ist ja wieder ein Prozess.

00:37:29: Ich habe so viel Rückschau-Rückblick deswegen immer auf dieses Buch jetzt und die Gegenwart besteht bei mir auch sehr daraus, einfach auch niederzuschreiben.

00:37:50: Was ist?

00:37:53: Das bleibt meine Begleiterscheinung und der Umgang mit Menschen, die mich sehr reichhaltig, was mich sehr ehrt besuchen.

00:38:05: Das habe ich oft schon erzählt.

00:38:08: Ich war wirklich ... In Berlin beim Geburtstag eines guten Freundes, Klaus Hoffmann in der Berliner Philharmonie.

00:38:20: Ich habe die Kameliendame gespielt wunderschön in noch jüngeren Jahren.

00:38:25: Wir haben im Bordeaux, wo es jetzt so gebrannt hat ... Da haben wir gedreht und in einem Schloss.

00:38:30: Und Klaus Hofmann war der jüngere Liebhaber von der Kamelindame.

00:38:34: War sehr hübsch!

00:38:35: Wir hatten auch was miteinander, war wunderbar.

00:38:39: Letzter Drehtag, das war bei mir.

00:38:41: Gott sei dann immer der Fall, dass ich das nie ins mein Privatleben weitergezogen habe.

00:38:46: Aber gute Freunde sind hier geblieben!

00:38:48: Er hat mich eingeladen zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag eben in die Berliner Philharmonie und die war voll weil er dort sehr beliebt ist, zwei tausend vierhundert Menschen.

00:38:58: Und ich bin mit meinem lieben Pianisten mit Moulin Guggenbichler hingeflogen einer der letzten Gäste in seinem Konzert und ich komme dort auf die Bühne, er kommt da raus.

00:39:10: Und ernte in Berlin als siebenundachtzigjährige Frau, die nie mehr in Berlin ist, die nicht irgendwie einen Wirbel um sich macht.

00:39:18: Einen Nicht- wie man so schön sagt?

00:39:20: Nicht endenwollenden Applaus!

00:39:23: Das war für mich wirklich sehr einschneidend und sehr berührend weil ich mir da denken konnte Erika also den Weg deinen öffentlichen Deinen beruflichen Weg.

00:39:37: Auf den kannst du gut zurückschauen, nicht auf den Privaten.

00:39:41: Der ist schmerzlich und schwierig.

00:39:44: Aber beruflich habe ich mich nie um eine tolle Karriere bemüht ... Sie haben sie trotzdem gemacht?

00:39:51: Ich hab nie Werbung gemacht!

00:39:53: Das kommt auch in meinem nächsten Buch sehr deutlich vor.

00:39:56: Wer die Lüge der Werbung bedient und nebenbei noch gegen Antisemitismus oder Rassismus ist, das ist für mich unmöglich.

00:40:04: Wenn man Werbung, dann soll man bei Loreal bleiben und Kosmetikas vertreten.

00:40:10: Aber nicht beides, was so oft passiert.

00:40:13: Das hab ich auch nicht gemacht und ich habe nie blöde Filme gemacht.

00:40:18: Irgendwie hab ich mich dem entzogen.

00:40:20: Ich hab sicher viele Anfragen gehabt, aber ich wurde nie eine komische Kommissarin oder eine rosamunde Pilcher ... Das

00:40:31: Ende ist mein Anfang gemacht.

00:40:32: Der war ja wunderschön, das ist ... Und

00:40:35: das war auch der letzte Film, den meine wunderbare Agentin Erna Baumbauer für mich organisiert hat und danach starb sie.

00:40:43: Das kommt auch.

00:40:44: in meinem nächsten Buch beschreibe ich das nämlich.

00:40:47: Da habe ich wirklich den Regisseur sehr gut kennengelernt von Hollendele.

00:40:51: Ich hab mit Bruno Ganz gespielt.

00:40:55: Das war unsere einzige Zusammenarbeit.

00:40:58: Und hab seither keinen Film mehr gedreht.

00:41:00: Das Ende ist mein Anfang, das ist auch wieder so eine komische Fügung.

00:41:05: Ja

00:41:06: ja ... Einer meiner Lieblingsfilme finde ich so

00:41:10: ruhig.

00:41:10: Wobei es keine große Rolle ist und ich habe diese Angela wirklich kennengelernt.

00:41:15: Vorher hab ich eben das Buch vom Tiziano gern gelesen.

00:41:19: Dann hat Thomas gesagt, das mache ich!

00:41:20: Das war mein letzter Film.

00:41:22: Gut dass sie's gemacht

00:41:23: haben.

00:41:28: Wird es halt jetzt weiterhin immer irgendetwas noch ein letztes Mal geben und irgendwann mal werde ich weg sein?

00:41:33: Ja.

00:41:35: Man kann sich aber nicht vorstellen, das ist natürlich ... dass was auch mir immer wieder zu denken gibt.

00:41:46: Natürlich sage ich ja, es macht nichts.

00:41:47: Wenn ich dort bin, bin ich weg.

00:41:49: Aber vorstellen kann man sich's nicht!

00:41:53: Das ist unmöglich.

00:41:55: Ist aber auch nicht nötig.

00:42:01: Ich hätte jetzt noch drei Fragen.

00:42:03: Gibt es eine Sache in ihrem Leben, die Sie gerne verändern würden um dann zu sagen und jetzt wäre es perfekt oder jetzt wäre vollkommen?

00:42:15: Gibt's da so etwas?

00:42:17: Es gibt etwas.

00:42:17: ich habe auch das Buch Anna geschrieben.

00:42:21: Meine Tochter war gezwungen viele Kindermädchen zu haben und ich war viel unterwegs weil damals Vor allem in diesen intellektuellen Kreisen, in denen ich mich befand, waren Väter nicht zu kriegen.

00:42:35: Die haben sich ... Ich schreibe auch in dem Buch, als würden sie entmannt, wenn es das Kind nehmen oder eine Windel und Kinder ab.

00:42:43: Jetzt gibt es so wunderbare Väter!

00:42:47: Mein Sohn, mein Enkelsohn ist so ein wunderbarer Vater mit seinem Kind.

00:42:51: Das war damals unmöglich.

00:42:53: Und ich glaube aber, wenn ich nicht meinen Beruf ausgeübt hätte und bei der Anna geblieben wäre, hätte sie auch keine gute Mutter gehabt.

00:43:02: Dann wär ich nur ... Wäre nicht ich gewesen?

00:43:07: Aber diese Schuldgefühle oder dieser Gedanke, dass die Anna natürlich dadurch, dass sich so viel unterwegs war und nicht immer um Sie war, bei aller Liebe, ich nicht so diese Mutter sein konnte, da hab' ich dann ein ganzes Buch geschrieben um mich damit zu konfrontieren.

00:43:27: Und als wir das lektoriert haben, meine Verlegerin, die Claudia Romeda und Isabella Supans ... Wir haben das lektoriert und die haben dann gesagt, nein!

00:43:36: Ich hab alle per Namen genannt.

00:43:38: nur in dem Buch Die Mutter heißt nur die Mutter.

00:43:42: Und die haben da gesagt Erika, so warst du nicht?

00:43:46: Und haben gezwungen ein paar Sachen zu streichen weil ich war so streng im Buch Zu der Mutter.

00:43:54: Und trotzdem war das irgendwie sehr notwendig, für mich dieses Buch zu schreiben und es noch einmal wirklich so durchzudenken.

00:44:04: Meine ganz sicher, Anna hat hier im Haus gewohnt und wie sie vor ihrem Tod in ihrem Frau sein waren wir unerhört gute Freundinnen.

00:44:12: Das war dann alles sehr nah und sehr schön aber als Kind hat's jetzt mit mir nicht leicht

00:44:17: gehabt.

00:44:18: Aber quasi jetzt zurück zum Wunsch, das wäre sozusagen der

00:44:21: Wunscht.

00:44:22: Wenn es einen Wunsche gebe dann der, dass als ich da so berufstätig war vielleicht irgendein Vater auch noch hätte dabei sein können und die Anna ein etwas behütetere Kind sein hätte erfahren

00:44:35: können.

00:44:36: also wenn das mit der Anna besser hätte laufen können als ihr ein Kind war Das war nicht gut.

00:44:45: Das war effektiv nicht gut.

00:44:48: Immer habe ich sie geliebt und immer habe ich schon versucht, dass die Menschen, die auf Sie achten müssen, das halbwegs in Ordnung geht.

00:44:55: Aber wir wissen ja alle was es bedeutet wie sehr Kindererlebnisse einen Formen.

00:45:03: Mich hat der Krieg geformt und meine Anna wurde von meinem sehr doch abwesenden Leben geformet ganz sicher daher auch ihr Astner an dem sie gestorben ist.

00:45:23: Wenn ich rückblickend sagen würde, etwas wäre schöner anders gewesen, dann ist es das was meine Tochter betrifft ihr Leben.

00:45:34: Und haben Sie einen Wunsch an den Tod?

00:45:37: Oder wenn Sie einen wunsch am Tod hätten

00:45:39: ... Schnell oder schlafend also entschlafen einfach so rausrutschen aus dem

00:45:49: Leben und dieses für Sie wichtig, woran sich Menschen an Sie erinnern sollten?

00:45:56: Das

00:45:56: ist mir vollkommen wurscht.

00:46:00: Wenn ich mal tot bin, sonst machen wir es wohl.

00:46:04: Dann ... Lass uns die klare Antwort.

00:46:07: Ich habe keine Hinweise, wie man mich begraben soll oder was man das ... Nein!

00:46:12: Wenn ich tot bin und weg sind, soll man machen, was man will.

00:46:20: Jetzt nochmal am Schluss noch mal so eine offene Frage, ob es noch etwas gibt.

00:46:24: jetzt zu diesem Thema was ihnen noch ein Anliegen ist.

00:46:29: Ich war ohnehin sehr gesprächig.

00:46:32: Wenn überhaupt auch noch wenn man über Vergänglichkeit spricht und ich auch über mein Frauenleben gesprochen habe... Was mich so stört ist was Frauen erreicht haben in meiner Generation dass man auf selbstständige Weise eine selbständige Frau selbstverständlich sein kann.

00:46:49: Wogegen ich so bin, ist dieser blöde bei uns herrschende Jugendwahn mit Operationen grauseligster Natur.

00:46:57: also wenn noch mehr bei Kräften wäre da würde ich noch mehr dazwischenfahren was mit Frauen geschieht und was Frauen sich gefallen lassen das sie sich solche Lippen hinein operieren können sie streichen oder auch nicht sagen lassen.

00:47:13: Sie bauen sich ja vaginas ins Gesicht, die Frauen.

00:47:16: Schrecklich!

00:47:18: Und glauben sie schon schöner aus?

00:47:19: Oder jünger?

00:47:21: Nein und genau also das ist ein Punkt wo ich noch wie sie merken ganz lebhaft werde und wo ich eigentlich sag also wenn mich nicht schon so alt wäre dass es sich nicht mehr ausgeht würde ich das derzeitige Frau Fraueninteresse mit den Influencerinnen, das würde ich bekämpfen.

00:47:43: Weil Influenser heißt Beeinflusser.

00:47:45: und wir Frauen meiner Generation genau das wollten wir eben nicht dass man uns beeinflusst sondern wir wollten sein wie wir sind.

00:47:54: Wir wollten nichts darstellen, wir wollten etwas sein.

00:47:58: So steht es auch in meinem neuen Buch.

00:48:00: Und das ist schon noch ein Thema, dass sehr hiesig ist, dass ich aber bis zu meinem Tod mir schon im Sinn haben werde, weil ich bin bis zu einem Tod eine Frau.

00:48:10: Also auch optisch zur Vergänglichkeit stehen als

00:48:14: Frau?

00:48:14: Ja!

00:48:15: Und man guckt folgen und man sieht alles aus.

00:48:19: Ist ja nichts Schlimmes.

00:48:21: Natürlich auch ich, wenn ich zum Beispiel ... was auch in meinen Fall oft der Fall ist, in Rückblicken sehr schön sehe.

00:48:31: Und dann gehe ich ins Badezimmer und schaue mich an jetzt,

00:48:33: man muss

00:48:34: es sagen ... Ah ja!

00:48:37: So ist

00:48:37: das

00:48:38: gut.".

00:48:39: Das ist ein

00:48:40: schönes

00:48:41: Schlusswort, glaube ich.

00:48:43: Ah ja?

00:48:43: So ist es

00:48:44: gut hier.

00:48:44: Ja so ist es eben

00:48:45: jetzt.

00:48:47: Vielen Dank Erika Bloha.

00:48:49: Danke für Ihre Zeit und danke fürs schöne und sehr lebendige

00:48:53: Gespräch.

00:48:53: Ja weil das ist ein Gespräch, das kann man ja nur sehr lebentig führen.

00:48:58: Ein Gespräch über Vergänglichkeit und Tod kann man nur führen, wenn man sehr lebendig

00:49:02: ist.

00:49:04: Dankeschön!

00:49:05: Gut.

00:49:08: Wenn dir das Gespräch gefallen hat dann hört ihr doch gerne auch meine anderen Momentomoare-Gespräche an zum Beispiel Episode drei mit der Achtundneunzigjährigen und sehr Lebendigen Meditations- und Yoga-Lehrerin Ursula Leyen.

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