#7 100. Geburtstag David Steindl-Rast

Shownotes

Bruder David Steindl‑Rast wird 100. In dieser Sonderfolge lesen wir ausgewählte Textpassagen von ihm — darunter einen bislang unveröffentlichten E‑Mail‑Austausch — zu Memento Mori, Vergänglichkeit und Tod, und ich spreche darüber mit Ö1 Moderator Johannes Kaup. Bruder David ist ein international gefragter spiritueller Lehrer, einer der bekanntesten Benediktinermönche weltweit und Autor zahlreicher Bücher. Besondere Bekanntheit erlange er als Brückenbauer zwischen den Religionen und für seine Lehre der Dankbarkeit. Für ihn war das Memento Mori, also den Tod im allzeit vor Augen zu haben, um dadurch wirkliche Lebendigkeit zu erlangen, seit jeher ein Schlüsselsatz als Benediktinermönch. Johannes Kaup, Theologe, Philosoph und Psychotherapeut, hat gemeinsam mit Bruder David das biografische Buch "Ich bin durch Dich so ich" verfasst und zahlreiche Interviews mit ihm geführt. Im Gespräch teilt er eigene Erfahrungen zu Tod und Sterben und seine Sicht auf das Memento Mori.

Die Text-Passagen stammen großteils aus der online Bibliothek David Steindl Rast und wurden von dieser für den Podcast mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

https://www.bibliothek-david-steindl-rast.ch https://grateful.org https://www.europakloster.com https://www.dankbar-leben-begegnungsraeume.net

Transkript anzeigen

00:00:01: Lieber Bruder David, vielen Dank für diese Texte und alles Gute zum hundertsten Geburtstag.

00:00:08: Als Mönchleben heißt den Tod Allzeit vor Augen haben.

00:00:14: Als mich zum ersten Mal die Benediktinerregel in die Hände fiel war dies der Schlüsselsatz, der mich am meisten beeindruckte und anzog.

00:00:23: Jeden Moment des Lebens vor dem Horizont des Todes zu sehen Das Wissen um das Sterben und Vergänglichkeit in jeden Augenblick des Lebens hineinzunehmen, um dadurch erst wirklich lebendig zu werden.

00:00:39: Über diesen und weitere Texte von David Steindl Rast rund ums Thema Vergänglichkeit und Tod spreche ich heute mit Johannes Kaup.

00:00:50: Denken an den Tod will ich nur in der Form sofern sie mich lebendigt macht!

00:00:58: Der Tod macht ja auch bewusst.

00:01:00: Ich kann nichts mitnehmen, das Einzige was bleibt sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen wenn wir gehen.

00:01:12: Hallo liebe Hörerinnen und Hörern!

00:01:16: Heute mache ich eine Sondersendung in meinem Podcast Memento Mori.

00:01:21: Es geht um den hundertsten Geburtstag von Bruder David Steindl Rast Benediktina Mönch, einer der bekanntesten weltweit.

00:01:31: Er ist Autor vieler Bücher.

00:01:33: er ist ein durchaus sehr bekannter spirituelle Lehrer und ihre Miet.

00:01:38: Und er wurde geboren am zwölften siebten, nineteenhundertzechsundzwanzig also genau heute am Erscheinungsdatum dieses Podcasts vor hundert Jahren.

00:01:48: Er studierte Kunst, Anthropologie und Psychologie an der Universität Wien und ging dann Anfang der Fünfzigerjahre in die USA, trat dem Benediktiner Kloster Montseviol ein.

00:02:00: Und wurde dann in den Sechziger Jahren beauftragt sich mit dem interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Buddhismus zu befassen und wurde so zu einem Brückenbauer der Religionen und hat dafür auch viele Preise- und Auszeichnungen

00:02:15: erhalten.".

00:02:17: Weltweite Bekanntheit erlangte Bruder David außerdem durch seine Lehre der Dankbarkeit und seit einigen Jahren lebt er jetzt wieder in Österreich im Kloster Gut Eich, in St.

00:02:29: Gilgen am Wolfgangsee.

00:02:32: David Steindl Rast war für mich der erste Gesprächspartner den ich für diesen Podcast angefragt habe Und er hat leider abgesagt, weil er gesagt hat, Interviews erschöpfen wir mittlerweile zu sehr.

00:02:43: Was mit hundert Jahren durchaus nachvollziehbar ist und jetzt wieder tatsächlich hundert Jahre und es gibt so viele Texte von ihm rund um das Thema auch Sterbenvergänglichkeit und Tod bzw.

00:02:58: ganz konkret auch Memento Mori, dass ich ihm jetzt dennoch hier eine Stimme geben möchte und das natürlich auch in Absprache beziehungsweise im Verständnis mit Bruder David.

00:03:10: diese Texte bzw.

00:03:13: Textteile die ich beziehungsweise wir heute Auch einlesen werden stammen Großteils aus der Online-Bibliothek David Steindl Rast und wurden jetzt für diesen Podcast mit freundlicher Genehmigung der Online Bibliotheke, die von Claudia Menzi Steinberger korrertiert wird zur Verfügung gestellt.

00:03:34: Und ich habe jetzt einige Texte ausgewählt, die mich besonders angesprochen haben Und ich freue mich sehr, dass ich Sie heute hier gemeinsam mit Johannes Kaup lesen darf und wir dann auch darüber sprechen werden.

00:03:49: Also herzlich willkommen lieber Johannes Kaupp!

00:03:51: Vielen Dank für die Änderung.

00:03:53: Ich stelle sie mal ganz kurz vor.

00:03:55: Sie sind Ö-I Moderator.

00:03:58: Sie haben Philosophie und Theologie studiert.

00:04:02: Sie hat viele Interviews mit Bruder David Steindl Rast geführt.

00:04:06: Sie habe auch gemeinsam mit ihm das biografische Buch.

00:04:10: Ich bin durch dich so ich geschrieben.

00:04:13: Sie sind also ein Wegbegleiter, der David Steindl Rast und auch sein Denken gut kennt.

00:04:20: Hoffen wir es!

00:04:22: Davon gehe ich aus.

00:04:24: Gibt's noch etwas, was Ihnen noch wichtig ist für Ihre Vorstellung?

00:04:27: Was sie noch dazu sagen möchten?

00:04:30: Ja, ich bin durch eine Lebenskrise in meinen frühen zwanziger Jahren dann zur Psychotherapie gekommen, also habe dann eine Therapie gemacht an einer Lehranalyse und hat mich zum Daseinsanalytischen Psychotherapeutin ausbilden lassen.

00:04:49: Ich bin jetzt im Vorstand des Ölteils des österreichischen Daseines Analytischen Instituts und mache dort Fortbildungen unter anderem auch Traumseminare und ja Probedeutika für angehende Psychotherapeuten.

00:05:04: Vielen Dank!

00:05:05: für diese nicht unwesentliche Vervollständigung.

00:05:09: Der erste kurze Text

00:05:11: bzw.,

00:05:12: es ist ein kurzer E-Mailverkehr, den wir hier gemeinsam lesen werden ist eine E-Mail-Antwort, die ich von Bruder David bekommen habe im Jena.

00:05:26: Im Zuge meiner Anfrage für ein Podcastgespräch.

00:05:30: Es sind also noch einen unveröffentlichten Text, wo ich ihm einfach drei oder vier Fragen gestellt hab und ich werde diese Fragen jetzt vorlesen und Johannes Kaup wird die Antworten, die eben.

00:05:44: Bruder Was ist der Tod beziehungsweise das Sterben für Sie?

00:05:54: Ich sehe das Sterbem als den endgültigen Übergang, an dem alles Materielle an uns zu Ende geht.

00:06:01: Alles Immaterielle an Uns aber zentral wird.

00:06:06: Wie ändert er sich Ihr Zugang dazu mit zunehmendem Alter?

00:06:11: Je mehr der Prozess des Überganges vom Materiellen zum Immateriellen, der sich durch das ganze Menschenleben zieht, sich seiner Vollendung nähert Umso bewusster und dringlicher wird er.

00:06:25: Entsteht vielleicht aus einer Angst möglicherweise sogar eine Art Bereitschaft?

00:06:30: Jede Veränderung unserer Existenz löst Angst aus, es ist nie zu früh durch Wachsen des Lebensvertrauen von Todesangst zur Todesbereitschaft überzugehen.

00:06:43: Das Sterben gehört ja zum Leben.

00:06:46: Was ist das Wichtigste was der Tod uns fürs Leben lehrt?

00:06:52: kostbar ist und das es daher gilt jeden Augenblick als geschenk dankbar zu nutzen.

00:07:00: Ja, jetzt ist meine erste Frage an Sie lieber Johannes Kaub was sind denn Ihre ersten Gedanken und Gefühle?

00:07:09: nicht nur wenn sie jetzt diesen Text also vielleicht auch wenn sie diesen Text lesen?

00:07:14: Und wenn Sie auch wissen es geht ja zum Thema Vergänglichkeit um Tod und um Sterben.

00:07:19: Was kommt da bei Ihnen auf?

00:07:23: Zunächst kommt etwas auf, was Bruder Davids Leidenschaft ist.

00:07:27: Das ist Rainer Maria Rilke, der auswendig zitiert, dass es unglaublich war da alles zu sagen hat und da gibt's eine Stelle wo Rilkes sagt wir sind die Bienen des Unsichtbaren.

00:07:42: Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbahnen ein um in einem großen unsichtbaren Bienenkorb das Unsichtbahn anzuhäufen.

00:07:56: Und das ist irgendwie eine schöne Metapher oder ein schönes Bild auch unseres Lebens.

00:08:03: Natürlich haben wir Angst.

00:08:06: Das ist was ganz Normales, Angst vor dem Tod.

00:08:11: und Bruder David unterscheidet ja immer Angst von der Furcht.

00:08:18: Die Angst ist etwas, was uns existenziell begleitet aber die Furchte Die kann man im Schach halten, die Furcht vor dem Tod durch Vertrauen ins Leben.

00:08:29: Er nennt das Lebensvertrauen und Lebensvertrauen ist für ihn ein Vertrauen in die Quelle allen Lebens.

00:08:38: Also es wird schon gut gehen, sondern ... In die Quellen allen Lebens?

00:08:44: Warum?

00:08:45: Weil für Bruder David diese Lebensquelle das Urdu isst!

00:08:52: Das Urdu ist das, man könnte sagen, das anwesend abwesende Geheimnis unseres Seins.

00:09:01: Die als anwäsendabwesender die abwäsenden Anwäsende Urquelle des Lebens.

00:09:08: also ein geheimnisvoller Grund der sich in allem was uns begegnet sich zeigt.

00:09:13: und es ist wunderbar dass er in allen Phänomenen Auch jetzt, wir sitzen hier zusammen.

00:09:21: Wir haben uns noch nie vorher gesehen.

00:09:24: Wir atmen dieselbe Luft.

00:09:26: Wir sind sozusagen in gewisser Weise aus dem Nichts da.

00:09:33: Alles was begegnet vor uns steht ein Mikrofon.

00:09:36: Wir sitzen an einem Tisch auf Sessel.

00:09:40: Alles das ist uns gegeben in den Moment und wir antworten jetzt In dem konkreten Fall, in dem wir ein Gespräch haben und Bruder Arbeit führen.

00:09:49: Wir könnten auch Bier trinken oder was anderes machen.

00:09:53: Also wir antworten auf das Gegebene des Seins und vertrauen darauf dass etwas Neues in unser Leben eine neue Erkenntnis kommt.

00:10:05: Eine Gelegenheit aus dem Nichts könnte man sagen gemeinsam da zu sein präsent zu sein Und das ist glaube ich eine ganz erspannende Sache, wo er sagt die Zeit dankbar nutzt.

00:10:20: Die Zeit ist uns gegeben.

00:10:21: Das sind ja immer Gelegenheiten zu antworten und wir antwortem ja immer.

00:10:29: Wir können gar nicht nicht antwortet auf was es ist.

00:10:33: Also auch wenn wir Gedankenlos sind antwortent wir selbst dann.

00:10:39: Aber wenn wir ganz da sind präsent sind, größte, dass auch eine andere Qualität hat als die verfließende Zeit.

00:10:51: Also die temporale Zeit, die wichtig ist damit für uns überhaupt um vier Uhr nachmittags hier in diesem Studio treffen.

00:11:01: also diese temporale zeit ist eine ordnende Zeit die verfliesst und vergeht aber es kommt eigentlich immer auf das jetzt an.

00:11:09: Das ist eine andere Zeitqualität.

00:11:14: Und leben Sie das?

00:11:16: Wenn Sie sagen, es kommt eigentlich immer auf das Jetzt an ... Ist das was, was Sie in Ihrem Leben, im Alltag verinnerlicht haben?

00:11:26: Ich hoffe aber nicht immer!

00:11:28: Also ich bin auch oft gedankenlos und lebt so dahin... Immer wieder ruft mich etwas ins Jetzt, um wirklich da zu sein.

00:11:38: Wenn ich das versäumt, dann versäume ich mich selber an gewisse Weise und bin unbewusst unterwegs.

00:11:46: Aber ich möchte einfach bewusst... Wenn ich ein Bier trinke, wenn ich eine Wanderung mache.

00:11:54: Wenn ich etwas esse und mit anderen einen Gespräch führe oder ein Kunstwerk bestaunen kann, dann möchte ich mit dem in Beziehung treten.

00:12:04: Dann möchte ich das ganz auskosten im Jetzt.

00:12:09: Sonst ist es nur ein gedankenloser Konsum der nichts bewirkt, wodurch ich mich nicht... In irgendeiner Weise eine positive Veränderung.

00:12:20: Ich bemühe mich, aber ich falle natürlich ganz genau so wie jeder andere Mensch zurück in die Alltäglichkeit.

00:12:30: Wichtig ist nur dass man das auch spürt und bewusst bleibt und sich immer wieder daran erinnert, dass es geht wach zu sein und dankbar für den vergänglichen Moment.

00:12:44: Sie kennen ja den Bruder David schon sehr lange, haben viele Gespräche mit ihm geführt.

00:12:48: Was ist denn aus diesen Gesprächen im Hinblick aufs Thema konkret Tod und Sterben?

00:12:55: Vergänglichkeit bei ihnen besonders stark noch hängen geblieben an Inhalten Gedanken.

00:13:03: Dieses Lebensvertrauen ist für mich bei ihm das Entscheidende also dieses Vertrauen in den Grund dass das Leben uns immer wieder neue Gelegenheit schenkt, dass es immer wieder neu Möglichkeiten schenkte zu reagieren.

00:13:20: Also die Gelegenheiten werden uns geschenkt so lange wir leben und dann wenn wir sterben ja... Wir sterben immer in irgendeiner Weise unvollendet jetzt von einem Medialzustand betrachtet aber das ist nicht wichtig.

00:13:38: Wichtig ist sozusagen im Tod vollendet werden.

00:13:42: Und das ist etwas, was er auch glaubt nicht?

00:13:45: Dass es eine Vollendung gibt im Tod von all dem, was stückweise in unserem Leben nicht ganz geworden ist zu wie wir uns das vielleicht vorgestellt haben.

00:13:59: Also dass der Tod quasi

00:14:01: ein Ganzwerten ist und nicht... also es beendet unsere körperliche Existenz, also wenn man so will die eingeht wieder in den Naturkreislauf und so weiter aber nicht unser Sein.

00:14:17: Und das Dasein wird vollendet im Tod und das ist irgendwie auch dieses Bild was der Rilke sehr schön gezeichnet hat mit dem Honig den wir einbringen in einen Bienenstock des Unendlichen.

00:14:36: Wie das ist, wissen wir nicht.

00:14:38: Aber alles glaube ich was ist.

00:14:42: und wenn man mit dem Tod und mit dem Sterben von Menschen zu tun hatte zeigt eigentlich darauf dass es eine Verwandlung ist also auch der Todesmoment.

00:14:53: eine Verwandlung ist der Mensch Also die körperliche Hülle ist nicht mehr der mensch der mir begegnet ist in dem Moment.

00:15:03: Das seelische Leben, die Lebendigkeit ist aus dem Körper gefallen, könnte man sagen.

00:15:09: Das ist jetzt rein phenomenologisch gesprochen, das ist dann der Leichnamen, der mich noch erinnert an die Person aber dass eigentlich was den Menschen ausmacht ist eingegangen in eine ganz andere Zeitdimension.

00:15:23: Inwiefern hatten Sie denn schon mit dem Tod zu tun oder mussten sie sich damit intensiver beschäftigen?

00:15:33: Mehrfach, also biografisch jetzt ganz kürzlich sind meine beiden Eltern kurz hintereinander gestorben.

00:15:40: Also ich bin in vier Monaten und das war ein sehr schmerzhafter Verlust auch wenn wir bei meiner Mutter eine halbe Jahre vorher schon gewusst haben dass das irgendwann mal der Fall sein wird durch eine Krebserkrankung die final also war.

00:16:01: beim Vater war das nicht so klar.

00:16:03: Die waren sehr aufeinander bezogen und von daher war das dann auch für uns trotz aller Trauer stimmig, dass sie beide relativ kurz hintereinander gegangen sind.

00:16:14: Aber für mich war es so ganz berührend wie meine Mutter zu Weihnachten, als wir schon wussten, dass die diese terminale Erkrankung hat gesagt.

00:16:27: Also ich will noch unter euch sein, solange ich kann!

00:16:31: Aber wenn es nicht sein soll, dann geht's in den Himmel und dann hat sie so mit der Hand nach oben gezeigt.

00:16:37: Und da war mal vielleicht alle geheult irgendwie weil das war so berührend.

00:16:43: Sie hatte aber einen Vertrauen in den himmel heißt eingehen sozusagen in die Fülle.

00:16:49: Das hat sie total geprägt durch diese Glaube dass unser Dasein nicht zu Ende ist sondern eigentlich gewissermaßen die Form Wechselt.

00:17:01: Haben Sie das auch dieses Vertrauen?

00:17:03: Ja, hundertprozentig.

00:17:05: also das will ich auch sagen.

00:17:07: Ich bin ein paar Mal mit dem Tod konfrontiert gewesen oder mit fast ja mit möglichen Toden sagen wir mal so einmal in einer suizidalen Krise mit etwa zwanzig Jahren während meiner Studiums wo mir der Sinn des Lebens völlig abhandengekommen ist war eine lange Entwicklung, die dahin geführt hat.

00:17:32: Also kurz gesagt war ich ein totaler Idealist und habe eigentlich alles abgewertet auch an mir selber was nicht ideal war.

00:17:43: und also man kann sagen so dieses ein totalitäres Ich-Idiall ja und sodass ich überhaupt nicht mehr auch an mich glauben konnte weil er den ganzen Selbstvertrauen verloren.

00:17:59: Und da war irgendwie so ein Seitenerfaden für mich, das war Gott.

00:18:06: Wenn es dich gibt musst du dich jetzt zeigen.

00:18:10: So einen Beten verzweifelt ist und zwar dann immer wieder und so.

00:18:16: Weil ich war schon in der Situation auf einem Blumenkasten zu sitzen.

00:18:24: Meine Eltern haben damals den siebten Stock gewohnt am Schöpfwerk, in diesem Gemeindebau und da ging es sicher vierzig-fünfzig Meter runter.

00:18:34: Und mir war's egal ob ich da jetzt runterfalle oder nicht.

00:18:39: Also so richtig ist ein Erlebnis von Hölle, würde ich sagen, also seelischer Hölle.

00:18:46: Diese Gleichgültigkeit lebe ich noch oder sterbe ich jetzt?

00:18:50: Eigentlich ist es wurscht!

00:18:53: Das würde ich nochmal... Also wenn ich das mir vor Augen führ, war das wirklich fürchterlich und dann eben durch dieses... Ich sag es mal durch dieses Beten.

00:19:03: Wenn's dich gibt da musst du dich jetzt zeigen.

00:19:06: und hat das eigentlich in den folgenden Tagen und Wochen sich so entwickelt dass wir Menschen begegnet sind die wussten eigentlich gar nicht wirklich wie args um mich steht aber die mir wieder zurückgespiegelt haben dass ich ganz, ich selbst bin und wer ich eigentlich Ich selbst bin.

00:19:28: Und ich habe das einfach erzählt wie es mir geht und wie verzweifelt ich bin.

00:19:33: Du haben dir das gemacht oder was handelt?

00:19:35: Sie

00:19:35: haben sich Zeit genommen ziemlich zeitgenommen und zugehört und wir haben auch wahrscheinlich gar nicht alles verstanden Wie ich da hineingekommen bin.

00:19:44: aber ich konnte ankommen ich wurde gehört und dann war's bei mir so fast So das Gefühl, jetzt bin ich Engeln begegnet.

00:19:57: Engeln im Sinne von kein transcendentes Wesen sondern Botschafter einer anderen Seinsdimension die sozusagen gespürt haben hier ist ein Mensch in Not und die mir durch ihre Anwesenheit und ihre Fragen eine neue Ebene gezeigt haben also dass der Tunnel, in den ich hinein geschaut habe auch eine Öffnung hat und eine Weite.

00:20:30: Und ab da hat sich dann sozusagen die Therapie und dann die therapeutische Ausbildung in den folgenden Jahren daraus entwickelt zu das ich mir gesagt hab.

00:20:41: Ich möchte eigentlich nur mehr das glauben und das vertreten was ich entweder selbst erfahre oder erfahren habe oder für Plausibelhalte, weil man nicht alles ausprobieren und wissen kann.

00:20:59: Aber wo ich vertrauen kann dass ein Mensch mir wahrhaftig begegnet und der also ein wahrhaftiges Zeugnis für das Ablegt was ich selbst nicht erfahren habe zum Beispiel ja?

00:21:11: Und es war ein Stück weit so eine hundertdachzig Grad Wende meines Lebens auch eines Glaubens, der auf Erfahrung passiert und nicht auf Vorstellung.

00:21:26: Bei der Vorstellung stelle ich mir immer etwas zwischen das was wirklich ist.

00:21:36: Ich mache mein Bild und dieses Bild kann der Wirklichkeit nahekommen oder es kann sehr, sehr fern sein.

00:21:44: Und meins war's von der Wirklichkeit sehr, oder dem, was Gott auch eigentlich ist.

00:21:51: Nicht so eine Quelle des Lebens.

00:21:54: Also ich habe dann sozusagen diesen Urgrund von dem, wo der David spricht, der sich natürlich entzieht, der nicht sichtbar ist aber er sich bekundet würde ich sagen durch Zeit und Zeit, durch die Anwesenheit.

00:22:09: das hab' ich in dieser Zeit erfahren und es war eigentlich dann eine gewisse Weise Neugründung meines Lebens.

00:22:16: also es hat mich So gesehen hat mir der Glaube des Leben gerettet, aber kein Glaube ist in einer Vorstellung oder sondern eine Erfahrung des Seins.

00:22:31: Der nächste Text beziehungsweise es ist ein Kurztext und einen Auszug aus einem Interview dass auch sie Johannes Kaupp gemeinsam mit David Steindl Rast geführt haben.

00:22:44: In beiden dieser Texte geht es um das Memento Mori und der erste Text stammt aus der Online-Bibliothek aus Sterben Lernen, der ist aus dem Jahr zwei Tausend Fünf.

00:22:58: Gemäß der Regel des heiligen Benedikt ist, dass Mementos Mori eine grundlegende Lebenshaltung als Mönchleben heißt den Tod allzeit vor Augen haben.

00:23:10: Als mich zum ersten Mal die Benediktinerregel in die Hände fiel, war dies der Schlüsselsatz, der mich am meisten beeindruckte und anzog.

00:23:19: Darin lag die Herausforderung das Bewusstsein des Sterbens in mein tägliches Leben hineinzunehmen – denn darum geht es hier!

00:23:29: Es handelt sich nicht in erster Linie darum, an die letzte Lebensstunde zu denken?

00:23:35: Also an den Tod als ein physisches Phänomen.

00:23:38: Die Herausforderung besteht vielmehr darin, jeden Moment des Lebens vor dem Horizont des Todes zu sehen – das Wissen um das Sterben und Vergänglichkeit in jedem Augenblick des Lebens hineinzunehmen, um dadurch erst wirklich lebendig zu werden.

00:23:59: Und der zweite Teil, den ich hier ausgesucht habe zum Moment um Mori ist eben dieses Interview zwischen Johannes Kaupp und David Steindl Rast.

00:24:08: Im Dialog Johannes KAUP spricht jetzt als Johannes K. Und ich antworte eben die Antworten von Bruder

00:24:14: David.".

00:24:16: Die Kriegsjahre, in denen so viele Freunde und Kameraden an der Front oder durch Bomben trefferend Wien ihr Leben lassen mussten, da haben sie einmal in einem früheren Gespräch das als Jahre höchsten Lebendigseins beschrieben.

00:24:33: Wie ist es zu verstehen, denn Sie hätten bei jedem Schicksalsschlag verzweifeln und resignieren können?

00:24:40: Woher trotzdem?

00:24:42: Lebendigkeit.

00:24:43: Woher der Lebensmut?

00:24:45: Ich glaube viele Menschen erleben das auch heute noch wenn sie in Lebensgefahr geraten dass die Lebendlichkeit umso mehr aufflampt.

00:24:55: Der Grund scheint mir so sein dass man dann ganz in der Gegenwart leben

00:25:00: muss

00:25:01: Da gerade unsere Lebendigkeit misst sich am Ausmaß, indem wir nicht an der Vergangenheit hängen oder auf die Zukunft schauen sondern wirklich im Jetzt sind.

00:25:12: Und dazu waren wir damals gezwungen und darum waren wir so lebendig und freudig trotz allem.

00:25:18: Weil sie den Tod vor Augen hatten?

00:25:21: Weil wir den Tod ständig vor Augen hatte.

00:25:23: Waren wir gezwunken diesen möglicherweise letzten Augenblick des Lebens voll zu genießen.

00:25:30: Lebe deinen Tag so, als ob es dein letzter wäre?

00:25:34: Ganz in diesem Sinn.

00:25:36: Du weißt nicht, ob du morgen noch aufwachst!

00:25:39: Wir mussten als Kinder in den Kriegsjahren praktisch jede Nacht in den Luftschutzkeller.

00:25:49: Johannes Kaup Was ist Ihnen denn oder ist Ihnen dieses Interview, dieses Gespräch noch in Erinnerung?

00:25:55: und wenn ja an was erinnern Sie sich da noch genau?

00:26:00: Ja Bruder David war ja im Widerstand gegen die Nationalsozialisten Weidermels noch Jugendlich, also... ...sechzehn, siebzehn und achtzehn Jahre.

00:26:13: Und war in dem Do-Kreis, wenn ich mich richtig erinnere... Ich glaube das war der Kaplan Doleschall... ...und die haben dort also verbotene Schriften gelesen!

00:26:28: Das war praktisch geistiger Widerstand gegen die Propaganda der Nazis, die natürlich über den Volksempfänger und auf den Straßen und überall verbreitet wurde.

00:26:39: Und Bruder David hat erlebt wie teilweise Priester verhaftet wurden ins Konzentrationslager gekommen sind.

00:26:51: Er hatte erlebt wie seine Kolleginnen und Kollegen aus der Schule eingezogen wurden oder durch Bombentreffer getötet worden, wie die nicht mehr wiederkamen.

00:27:02: Also es war ein wirklich dramatischer Moment in diesen Kriegsjahren.

00:27:08: also damals wurde ja Wien schon noch bombardiert und irgendwie war der Krieg sozusagen und ist der Krieger heute noch?

00:27:17: Bedenken wir jetzt beispielsweise an die Bombardierungen in Kyrgyzstan durch die russische Armee.

00:27:26: Die größtmögliche Herausforderung, ganz Mensch zu sein.

00:27:31: Im Krieg wird man entweder der Ganz-Mensch oder man kann auch unmenschlich werden.

00:27:37: Das gibt eben nicht die negativen Beispiele auch.

00:27:40: Aber für Bruder David war das sozusagen ganz im Jetzt zu sein nach der Benediktregel Es ist nichts sicher es ist Nichts planbar es ist nichts kontrollierbar.

00:27:55: Aber die Erfahrung dann, dass uns die Zeit im jetzt eben Gelegenheiten schenkt echt zu werden ganz zu werden anwesend zu sein.

00:28:10: Die gibt es nicht nur im Krieg aber beim Krieg fällt sie uns besonders auf weil da wir unmittelbar bedroht sind.

00:28:17: aber eigentlich gibt's dir immer und wir vergessen das gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft.

00:28:23: Ich nehme das einfach so als gegeben hin, nicht?

00:28:25: Das ist auch der Grund, warum zum Beispiel der Philosoph Martin Heidiger von einer Science Vergessenheit spricht.

00:28:34: Wir leben einfach so hin und es gibt etwas.

00:28:39: Ehe ist klar, es ist was vorhanden aber das ist nicht die Frage.

00:28:46: Was bedeutet es?

00:28:48: dass es überhaupt etwas gibt Und nicht viel mehr.

00:28:52: nichts, könnte man sagen.

00:28:54: Es wäre auch eine Möglichkeit.

00:28:56: Es schenkt sich uns dauernd etwas.

00:28:59: Alles was ist eigentlich ein Geschenk und Bruder Davids spricht ja auch davon das, was auch ein Bibelwort glaube ich ganz neu verständlich macht.

00:29:12: alles was isst ist Wort.

00:29:15: es gibt im Johannes-Avangelium im Anfang war das Wort Aber damit ist nicht ein Werbaum gemeint, sondern alles was isst.

00:29:25: Alles spricht zu uns und egal was wir jetzt tun oder nicht tun oder unterlassen Wir antworten immer auf das was ist Das was ich uns zuspeichte Was sie für uns schenkt.

00:29:40: in diesem Moment Und darauf antwortet man mit unserem Leben Spannende, also das Weiterführende was uns jenseits der Kriegserfahrung von Bruder David in die Lebendigkeit ruft.

00:29:56: In dass echt werden, authentisch sein

00:30:00: ja.".

00:30:02: Der nächste Text es ist von einem Vortrag aus nineteenhundertzweiundneunzig und dieser Vortrack heißt oder der Text heißt Sterben und Tod eben auch aus der Onlinebibliothek.

00:30:14: Aber wenn wir den Tod ernst nehmen, dann sehen wir zunächst dass wir alle unseren Tod wählen.

00:30:21: Natürlich ist es meistens für unsere Krankheit oder einfach all das Schwäche die uns umbringt.

00:30:26: aber umgebracht werden ist ja noch nicht sterben.

00:30:29: Sterben ist etwas was wir freiwillig tun müssen.

00:30:33: Sterben hat kein Passiv in der deutschen Sprache und in keiner der anderen Sprachen die ich kenne.

00:30:39: Man kann nichts sagen Ich werde gestorben Und darin drückt die Sprache eine tiefe Einsicht aus, dass es sich hier um etwas handelt was uns tatkräftigen Mut abverlangt.

00:30:51: Wir müssen etwas tun und die Schwierigkeit ist nun das wir gerade in den Situationen in denen wir gewöhnlich sterben müssen nicht sehr tatkräftig sind.

00:31:01: Dass wir schwach sind alt sind krank sind unter schrecklichen Schmerzen stehen leiden gepresst sind gedrängt sind.

00:31:10: Wenn mit dem Tod ernst nehmen Sehen wir mehr und mehr, dass es wichtigere Todespunkte in unserem Leben gibt als die letzte Minute.

00:31:19: Das nicht anzunehmen ist, dass die meisten Menschen in ihrer letzten Minute sterben.

00:31:25: Ich könnte mir vorstellen, dass diese meisten Menschen irgendwann in der Mitte ihres Lebens sterben.

00:31:30: Wir wissen ja auch nicht Und das ist die andere Seite Wann-Menschen wirklich zum Leben kommen?

00:31:37: Und zwar brauchen wir da gar nicht erst hinauszuschauen und uns zu fragen ob das Ein prionale Leben bei der Befruchtung des Eisbeginnt oder beim Herzklopfen.

00:31:47: Oder im dritten Monat, oder im sechsten Monat.

00:31:50: Das ist ja alles äußerlich gesehen.

00:31:53: Wir brauchen uns nur selber zu fragen Wann bin ich wirklich völlig lebendig geworden?

00:32:02: Wir wissen nicht wann ein Mensch völlig lebändig wird und wir wissen nicht wenn der Mensch stirbt.

00:32:09: Und meine persönliche Ansicht würde fast schon sagen Überzeugung ist dass wir genau an dem Punkt sterben, wo wir völlig lebendig werden.

00:32:21: Johannes Kopp, wie ordnen Sie das ein?

00:32:26: Dieses aktive Beziehungsweise?

00:32:28: David Steindl-Rast spricht eben sogar davon, wir wählen unseren Tod also etwas, was wir freiwillig tun müssen.

00:32:37: ich denke mir diese Aussage kann für viele irgendwie irritierend wirken Oder auch für mich war es beim Lesen interessant oder ein neuer Gedanke.

00:32:50: Wie sehen Sie das?

00:32:53: Also ich glaube, wir sind ja die Sterblichen und zwar nicht nur im Sinne von dass wir im Tod sterben sondern sterblich auch in dem Sinne von Wir sind fragil, wir werden krank, wir können uns verletzen Vor unserem Tod oft auch andere Tote, kleine Tode in dem wir uns von jemandem verabschieden müssen.

00:33:23: Entgültig oder überhaupt.

00:33:25: mal als Kind kann ich mir erinnern Abschiede... Ich bin nicht DDR geboren und da war unklar wenn sich jemand kommt und sich verabscheidet dass der dann wieder kommt.

00:33:38: also das war unsicher.

00:33:42: Aber jetzt denkt man die größeren Abschiede an zum Beispiel eine Ehescheidung.

00:33:47: Also auch das ist ein Abschied von einem Traum eines gemeinsamen Lebens mit den Menschen, vielleicht bis zum Lebensende und es gibt viel oder Abschied eben von Gesundheit.

00:34:03: Das Sterben ist immer schon in unserem Leben präsent in unterschiedlichen Formen.

00:34:12: Ja, jetzt kann man natürlich sagen wir können das Leben und das Sterben wählen aber nur bis zu einem gewissen Grad.

00:34:21: Also es gibt Dinge Krankheiten Unfälle Und Jo Nemet also die für die wir gar nichts tun können eigentlich Die uns in gewisser Weise als Schicksals schläge Wieder fahren.

00:34:36: Aber es gibt auch natürlich Situationen wo wir auf eine schwierige Krise, also Antworten und die Frage ist wie wer darauf antwort.

00:34:47: Ich habe kürzlich eine Profisoren für positive Psychologie kennengelernt, die Judith Mangelsdorf aus Berlin.

00:34:55: Die sind Traumesexperte- und Traumafolgen-Expertin Und sie schaut aber auf das Trauma des Menschen erleben anders hin als die meisten Traumaforscher die natürlich die Folgen sich angucken und die Schwierigkeiten, ja möglichen Therapieverfahren.

00:35:18: Sie schaut auf das Trauma als einen möglichen Punkt der Verlebendigung unseres Lebens – des echtwerdens, des authentischwerdens!

00:35:30: Wie kann ein Mensch aus einem Trauma, einer fürchterlichen Situation, die er erlebt hat?

00:35:37: neue Lebendigkeit und neue Orientierung schöpfen.

00:35:42: Sie schaut nicht darauf in dem Sinn, dass sie sagt du musst ein Trauma erfahren haben oder sie wünscht es wäre ein Traum auf das Wetter zu nischen.

00:35:52: aber sie hat das kennengelernt in einer Situation als sie in der Gruppe war positive Psychologie-Weiterbildungen gemacht haben.

00:36:03: Und wo sie im Nachhinein erfahren hat, alle in dieser Gruppe hatten eigentlich eine sehr schwerwegende traumatisierende Erfahrung und das sind jetzt aber Menschen die gestrahlt haben, die etwas weitergeben konnten.

00:36:18: Das hat sie neugierig gemacht.

00:36:20: Warum haben die sozusagen mit Frankl zu sprechen?

00:36:25: Trotz macht es geistes!

00:36:28: einen anderen Weg gefunden, als jetzt nur Opfer zu bleiben.

00:36:34: Und das finde ich spannend.

00:36:37: Das heißt auch Ja zum Lebensjahr in der Gebrochenheit.

00:36:42: Man gibt es, weil ja zu meiner Sterblichkeit, wenn wir wieder anfangen zurückkommen, die immer im Leben sich auch in bestimmten Erfahrungen, die wir machen, begründet und das finde in meinem eigenen Leben bestätigen, dass es möglich ist sozusagen aus einer totalen Dunkelheit die wo alles deprimiert unterdrückt und sinnlos erscheint wieder in den Licht zu kommen.

00:37:16: Und dann ein Leben zu leben das jeden Tag Neues hin macht.

00:37:20: also das ist schon etwas Memento Mori, heißt ihr hier Podcast.

00:37:29: Also das ist etwas was ... Man könnte auch sagen mementovite.

00:37:39: Stimmt.

00:37:40: Das gehört zusammen.

00:37:42: also das Denken oder Denken an den Tod will ich nur in der Form sofern sie mich lebendig macht Und das ist glaube ich auch der Sinn dessen eines Momentumori, eines im bewussten Lebens angesichts der Sterblichkeit.

00:38:02: Ja, das heißt ja nicht... Ich denke an den Tod sondern ich bin mir bewusst dass Leben begrenzt fragil zerbrechlich auch sterblich ist und genau deswegen suche ich in mir nach Möglichkeit und in Beziehungen und in meinem Umfeld und die Lebendigkeit zu mehren, nicht zu verringern.

00:38:29: Und dieser letzte Satz jetzt aus diesem Text, den wir gerade gelesen haben, wo David Steindl Rast sagt... ...und meine persönliche Ansicht, ich würde fast schon sagen Überzeugung ist,... dass wir genau an dem Punkt sterben, wo wir völlig lebendig werden.

00:38:45: Wie sehen Sie das?

00:38:48: Oder wie ist das Ihre Meinung nach zu verstehen?

00:38:51: oder können sie...?

00:38:53: damit etwas anfangen?

00:38:55: Ich denke, das ist voraussetzungsreich.

00:38:58: Wenn man das sagt und die Voraussetzung ist, dass man sozusagen bewusst sterben kann.

00:39:04: Dass man sich bewusst auch verabschiedet und dann ganz lebendig wird.

00:39:09: Wenn wir uns die Tode anschauen heute im klinischen Zusammenhang, dann ist es oft auch ein dahinten Mann ... Wir wissen natürlich nicht!

00:39:21: was im Tod ist oder wie es im letzten Moment ist.

00:39:24: Aber von außen gesehen, das ist ein dahinter Mann und gar nicht so bewusst da sein ob schon.

00:39:32: ich glaube dass diese Menschen auch wenn sie sich sprachlich nicht mehr artikulieren können Präsenz wahrnehmen.

00:39:43: also wenn ich da bin und sei es nur die Handhalte oder im Raum bin mit diesen Menschen diesen Weg gehen.

00:39:53: Ich glaube, das macht einen ganz großen Unterschied als wenn dieser Mensch allein wäre und von daher können wir bei manchen einfach nicht sagen dass ob der dann völlig lebendig ist.

00:40:06: aber einiges glaube ich jetzt auch durch die Begleitung von Sterbenden also aus der Familie vor allem sagen zu können dass das schon Momente waren größter Wachheit, größte Ehrlichkeit, größter Liebe die wir da als Familie erlebt haben.

00:40:30: Also was uns noch einmal dann dran erinnert worauf es eigentlich wirklich ankommt im Leben und der Tod macht ja auch bewusst ich kann nichts mitnehmen.

00:40:44: das einzige was bleibt sind die Spuren der Liebe die werden hinterlassen wenn wir gehen.

00:40:51: Sie haben ja vorhin auch schon diese Unterscheidung kurz angesprochen zwischen Angst und Furcht.

00:41:00: Und ich habe jetzt da noch einen Text Passagen rausgesucht zum Thema

00:41:16: Angst.

00:41:22: Furcht und Angst, das ist ja zweierlei.

00:41:26: Angst und Enge sind im deutschen Wurzelverwandte Wörter und sicher nicht zufällig.

00:41:31: Unser menschliches Urerlebnis von Angst ist die Enge des Geburtskanals.

00:41:37: Durch diesen ersten Engpass gehen wir noch mit instinktiven Vertrauen hindurch.

00:41:43: Erst später müssen wir mühsam lernen uns auch auf jede Angst so furchtlos einzulassen muss das bei unserer Geburt spontan gelangen.

00:41:55: Furcht und Vertrauen – diese beiden Haltungen sind einander diametral entgegengesetzt, letztlich sind es Lebenshaltungen.

00:42:08: Angst ist im Leben unvermeidlich.

00:42:11: zwischen Fucht und Mut aber können wir wählen.

00:42:14: Fucht sträubt sich gegen die Angst und bleibt so in der Enge stecken.

00:42:20: Mut lässt sich voll Vertrauen auf die Angst ein und findet so den Weg ins Weite.

00:42:27: Mut nimmt dabei die Angst aber nicht weg, im Gegenteil – wer keine Angst hat braucht keinen Mut!

00:42:34: Wer aber mitten in der Angst aufs Leben vertraut, den führt das Leben durch jede Angst zu einer neuen Geburt.

00:42:41: Ich beweise mir das selbst.

00:42:43: ich blicke zurück auf die Engpässe meines Lebens und sehe her ganz klar Je drückender wie Beängstigung war umso strahlender das überraschend neue dass daraus hervorgehen.

00:42:55: Mich immer wieder daran zu erinnern, gibt mir Lebensvertrauen und Sterbensmut.

00:43:01: Das war aus einem Text Stärben und Angst Und dazu auch noch ein Textteil von sterben Lernen.

00:43:10: Wir befürchten das der Tod uns wie ein Dieb in einer Nacht überfällt Bevor wir überhaupt Gelegenheit hatten zu leben.

00:43:18: Diese Furcht ist dann am größten wenn wir nicht im Augenblick leben.

00:43:25: Wenn wir nicht herausfinden, wie wir im jetzt leben können dann ängstigt uns der Tod.

00:43:32: Weil wir in unserem Leben nie richtig da waren.

00:43:34: Wir haben es verpasst und jetzt ist es plötzlich vorbei.

00:43:40: Je intensiver wir leben desto leichter ist es loszulassen um zu sterben.

00:43:48: wenn wir uns eingestehen dass jeder tag ein Ende hat das jedes leb mein ende hat so heißt es der Aufforderung nachkommen, die Gelegenheit beim Schopf zu backen und etwas aus diesem Tag, aus diesem Leben zu machen.

00:44:02: Wenn wir etwas aus dem Tag gemacht haben dann werden wir auch loslassen

00:44:09: können.".

00:44:14: Wie geht es denn Ihnen Johannes Kopp konkret mit der Angst oder beziehungsweise mit der Furcht vor dem Tod?

00:44:24: Also vor dem Sterben fürchte ich mich nicht.

00:44:28: was ich fürchte ist eigentlich Der Zustand und das Leben der zurückgebliebenen.

00:44:40: Das Leben derjenigen, die mit mir verbunden sind und vielleicht um mich trauern... ...das ist etwas, was mich Sorge bereitet im Blick auf den Tod und wahrscheinlich auch jeden Menschen.

00:44:54: Das ist etwas ganz Verständliches und Normales.

00:44:59: Aber es gab in meinem Leben schon öfters Momente Da war ich so da, dass ich auch hätte sterben können und es wäre gut.

00:45:10: Dann steht er am nächsten Tag auf, macht sich ein Frühstück, putzt sich die Zähne, zieht sich Waren usw.

00:45:18: Und dann geht das Leben weiter.

00:45:20: Aber wir haben ja öfters gedacht eigentlich kommt's auf diese Momente an, die mich auf eine andere Zeitqualität aufmerksam machen.

00:45:29: Da gibt sie eine Zeit, die bleibt... unvergänglich ist und von der wir in Momenten unseres Lebens, der Schönheit des Staunens, der Liebe – you name it – Ahnung haben können.

00:45:51: Also

00:45:51: solche Momente waren das von denen Sie jetzt auch geredet haben?

00:45:55: Momente des Staundens, Momente der Liebe?

00:45:58: Genau oder ich kann ein Beispiel sagen Ich bin einmal in der morganischen Wüste Erkcebi mit meinem Motorrad auf eine Düne gefahren.

00:46:11: Es war Abend, die Sonne ging rot-golden unter und ich mich dann auf die Spitze der Dünne gesetzt habe diesen kalten kühlen Sand durch die Hand rieseltassen.

00:46:24: das war wie Wasser ganz feiner staubiger Sand.

00:46:28: da bin die Ferne geblickt und hab gespürt.

00:46:32: Jetzt bin ich da, ganz da geatmet.

00:46:38: Und in solchen Momenten hätte ich auch sterben können.

00:46:44: Also das war nicht wollen aber können und es wäre gut gewesen.

00:46:49: ja was dann zurückhält ist dass wir schon angesprochen haben die Verbindungen die Beziehungen die man hat vielleicht Ideen Aufgaben Projekte die man noch verwirklichen will.

00:47:02: Aber warum will man das verwirklichen?

00:47:04: Warum hat man diese Aufgaben letztlich, ja.

00:47:07: Warum lebt man überhaupt nicht?

00:47:09: Letztlich geht es ja eigentlich darum die Zeit schenkt uns eben Gelegenheiten immer wieder ganz da zu sein und diese andere Qualität der Zeit, die bleibt, zu spüren, dass die Zeit aus der wir ... Man könnte auch sagen Wir kommen in gewisser Weise Phänomenologisch gesprochen aus dem Nichts, dass ich kann nicht sagen woher ich komme.

00:47:34: Ich kann das nicht beschreiben und wenn ich sterbe... ...ich kann auch nichts sagen wohin ich gehe, gehen oder nicht sein.

00:47:41: Das ist wie ein Dunkel.

00:47:42: Also ein Dunkeltes Anfang, so ein Dunkeltes Ende.

00:47:46: Aber was ist dieses Dunkel?

00:47:48: Aus dem Dunkel zeigt sich das sein, das Leben ja, das Lebendige.

00:47:55: Wenn ich jetzt in einen dunklen Keller gehen würde, wo es Licht ausgefallen ist Und ich sehe nicht, was da ist.

00:48:03: Aber meine große Vermutung ist, dass dieses Nichts in das wir schauen am Anfang und am Ende schauen, dass kein nihilistisches Nichts ist sondern nichts der Fülle einfach ein Dunkel, in dem sich die Füllen des Ganzen verbirgt.

00:48:25: Gott ist ja auch nicht zichtbar anwesend abwesen in allem, was sich zeigt.

00:48:34: Aber nicht greifbar fassbar kontrollierbar manipulierbar wie das viele Menschen gerne hätten.

00:48:41: Das ist es nicht.

00:48:42: Und das ist ja auch irgendwie die Noblesse wenn man's will, das geltelige Geheimnis... dass wir selbst sein können.

00:48:50: Dass wir uns nicht das abhängige manipulierte Rollenspieler auf der Weltbühne empfinden, sondern dass wir wirklich Verantwortung haben mit, wenn man so will jetzt im biblischen Wort mitschöpfer und Co-Kreatoren von dieser Welt sein können, also die eines neuen Himmels oder den neuen Erde um ein biblisches Wort dazu zu zitieren.

00:49:14: Das ist unsere große Würde!

00:49:18: Und ich glaube einfach, dass in diesem Nichts das Todes oder der Geburt und des Todes eigentlich dasselbe ist.

00:49:30: In gewisser Weise ist nichts, dass das der Quellgrund des großen göttlichen Geheimnisses ist, das uns alle trägt im jeden Moment jetzt auch indem wir sprechen.

00:49:49: Von daher etwas sehr Tröstliches auch.

00:49:55: Also der Franziskus, der jetzt der achthundert Jahre Jubiläum dessen achtundjähriges Jubilän gefreut wird, da hat er vom Bruder tot gesprochen eigentlich von der Schwester tot, Sorella, Sorelamorte aber Deutsch der Tod, Bruder Tod und das sagt etwas ja also dass nicht die Vernichtung des Menschen ist, sondern die Vollendung.

00:50:21: Und vollendet wird es eben jetzt aus David Steindl Rasszicht durch dieses Urdu, dass sich in allem was ist bekundet und ständig eigentlich zu uns spricht auch wenn wir die Augen und die Ohren zu haben, sprich das ständig zu

00:50:36: uns.".

00:50:39: Ich habe noch eine abschließende Frage an Sie, Johannes Kaup.

00:50:43: Gibt es noch etwas, was Sie gerne Bruder David jetzt zu seinem Geburtstag sagen möchten, was sie vielleicht noch nie gesagt haben.

00:50:53: Zu seinem hundertsten Geburtstag.

00:50:56: Bruder David, was du vielleicht nicht weißt oder in dieser Ausdrücklichkeit nicht weist ist ... Du bist ein Vater von vielen, vielen Töchtern und Söhnen geworden Menschen die sich inspirieren haben lassen durch dein Beispiel, durch deine Art und Weise der Präsenz.

00:51:22: Durch deine freutvolle Art den Glauben zu leben.

00:51:29: Durch die Praxis der Dankbarkeit, durch die Netzwerke des guten Lebens, die du aufgebaut hast.

00:51:37: Und so gesehen ist dein Same aufgegangen in vielen hunderten und tausenden anderen Menschen, die jetzt diesen Samen weiter tragen.

00:51:50: Und das ist ein wunderbares Erbe!

00:51:53: Ich weiß nicht wie lang du noch leben wirst – ich hoffe wir haben dich noch einige Jahre unter uns – aber das Entscheidende hast du uns weitergegeben und dafür möchte ich dir von ganzem Herzen danken.

00:52:07: Vielen Dank Johannes Kaup.

00:52:10: Danke Ihnen auch.

00:52:11: Ich möchte jetzt zum Abschluss noch auf drei aktuelle Bücher hinweisen.

00:52:17: Bruder David hat ja sehr viele Bücher geschrieben und jetzt eben aktuell anlässlich seines hundertsten Geburtstags sind drei Bücher erschienen, das eine erscheint erst am siebten August im Sprachlichter Verlag.

00:52:34: Das ist das Buch in wachsenden Ringen herausgegeben von Claudia Menzi Steinberger.

00:52:40: Und das ist ein ganz besonderer Band mit unterschiedlichen Beiträgen, von Weggefährtinnen und internationalen Persönlichkeiten unter anderem seiner Heiligkeit der Dalai Lama Anselm Grün Fritjov Capra Joan Halifax Rupert Sheldrick David White Ken Wilber.

00:53:02: Das Buch oder dieses Werk beinhaltet persönliche Erinnerungen, Reflexionen und auch Fotografien rund um das Leben und Wirken von Bruder David.

00:53:12: Dann das zweite Buch, das ich erwähnen möchte heißt worauf es letztlich ankommt?

00:53:18: Hundert Fragen, hundert Antworten von David Steindl Rast und seinem argentinischen Freund Mario Quintana.

00:53:27: Und das dritte Buch,

00:53:29: d.h.,

00:53:29: Gut leben gut sterben von David Steindl Rast, Johannes Pausch und Christina Proleta.

00:53:37: Und da möchte ich mit einem Zitat aus diesem Buch abschließen ... Wir Menschen können uns den Raum, den wir nach dem Sterben betreten nicht vorstellen.

00:54:01: Weil er unsere Vorstellungskraft bei Weitem übersteigt mit das Leben eines Schmetterlings die Vorstellungscraft einer Raupel.

00:54:10: Lieber Bruder David vielen Dank für diese Texte und alles Gute zum hundertsten Geburtstag!

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