#8 Saskia Jungnikl-Gossy
Shownotes
Buchautorin und Journalistin Saskia Jungnikl-Gossy musste bereits sehr früh und auf besonders tragische Weise den Tod erfahren: In ihren 20ern starb zuerst ihr Bruder, und vier Jahre später ihr Vater durch einen Suizid. Im Podcast spricht sie darüber, welche Gefühle mit diesen sehr unterschiedlichen – und dennoch in beiden Fällen sehr unvorbereiteten Todesfällen – einhergingen, und wie es ihr heute damit geht. Sie erzählt, warum sie mittlerweile - nachdem sie viele Jahren sehr häufig und vor großem Publikum öffentlich über den Tod insbesondere über den Suizid ihres Vaters gesprochen hat - nicht mehr gerne bzw. nur noch sehr ausgewählt und selten über Tod & Sterben spricht. Saskia ist es wichtig zu betonen, wie unterschiedlich Trauer sein kann, welche verschiedenen Gefühle damit einhergehen können, und dass man möglicherweise nie damit "fertig" ist. Sie selbst sagt, sie wird nie wieder die "alte", die sie vor dem Suizid ihres Papas war, aber dennoch kann sie heute ein gutes Leben führen und glücklich sein.
Saskia Jungnikl-Gossy verarbeitete ihre Erfahrungen unter anderem in Form von Büchern mit "Papa hat sich erschossen" und "Eine Reise ins Leben".
https://www.saskiajungnikl.com Cover-Foto von Pamela Russmann
Hinweis: Wir sprechen hier über Suizid, das kann belastend sein. Falls du Suizidgedanken hast, hole dir Unterstützung und wende dich z.B. an die Telefonseelsorge unter 142, www.telefonseelsorge.at .
Transkript anzeigen
00:00:06: Herzlich willkommen zum Podcast Memento Moare, Gespräche über den
00:00:11: Tod
00:00:11: und das Leben davor.
00:00:13: Ich bin Caroline Kirschbaumer und ich spreche mit unterschiedlichen Menschen über den Tot, über das Sterben, über Vergänglichkeit – und damit natürlich auch übers
00:00:24: Leben!
00:00:25: Aber als mein Papa… sich getötet hat.
00:00:29: Das war so viel komplexer, also natürlich war ich traurig aber auch wütend und total vor den Kopf gestoßen.
00:00:36: Ich habe mich schuldig gefühlt.
00:00:38: Also ich habe sehr lange versucht nachzufühlen was er wohl gedacht hat warum er das gemacht hat und es ist sehr interessant weil Mit ihm gehen, also ich kann mir vorstellen
00:00:52: wie er sitzt
00:00:53: in einem Zimmer.
00:00:54: Wie er aufsteht und die Waffe nimmt.
00:00:56: Wie herunter geht?
00:00:58: Und dann verliere ich ihn.
00:00:59: Es gibt zu den letzten Metern,
00:01:01: die kann nicht mit ihm gehen.
00:01:03: Ich verstehe das nicht!
00:01:05: Ich will wirklich nicht sterben.
00:01:07: Die Vorstellung, das Leben aufzugeben... Also ich kann es nicht verstehen.
00:01:14: Dass Trauer in Wellen kommt und geht.
00:01:17: Dass sie ein Grundgefühl ist, dass wir immer haben Und dass man stärker und mal schwächer.
00:01:23: Dass ich nie wieder so sein werde wie vorher, aber trotzdem glücklich!
00:01:29: Das hat sehr viel
00:01:30: für mich verändert.
00:01:34: Liebe Saskia Jung-Nickel-Gossi, schön, dass ich heute bei dir sein kann und danke, dass wir Zeit haben für dieses Gespräch.
00:01:41: Ich freue mich sehr hallo.
00:01:42: Hallo.
00:01:44: Ich stelle dich vor... Du bist Buchautorin, freie Journalistin und machst auch ganz viele Podcasts.
00:01:52: Ja, relevant einfach für dieses Thema.
00:01:54: Deswegen sage ich auch kurz dazu die drei Bücher, die du geschrieben hast.
00:01:58: Das erste heißt Papa hat sich erschossen.
00:02:01: Da hast Du auch einige Preise gewonnen, das ist jetzt schon... Wann hast Du es geschrieben?
00:02:07: Ich
00:02:07: glaube dass es erschienen zwei fünfzehn.
00:02:10: Das zweite ist glaube ich zwartausend siebzehn erschienen.
00:02:14: Das ist eine Reise ins Leben oder wie ich lernte die Angst vor dem Tod zu überwinden.
00:02:20: Und das dritte Buch ist aus dem Jahr zwanzig.
00:02:23: Kommen Sie näher!
00:02:24: Das ist eine Biografie, die du über und mit Peter Simonisek geschrieben hast bzw.
00:02:31: schreibst du auch im Buch oder habe ich irgendwo gelesen?
00:02:34: Du habt es gemeinsam begonnen, du hast es dann alleine vollendet weil Peter Simonissek dann auch verstorben ist.
00:02:40: aber insofern sind haben alle drei Bücher sehr viel mit dem Thema Todsterben und Vergänglichkeit zu tun.
00:02:48: Ja, so komme ich auch schon zu meiner ersten Frage.
00:02:51: Du hast dich sehr viel, also ursprünglich aus einer eigenen Betroffenheit heraus mit dem Thema Endlichkeit sterben tot befasst.
00:03:02: und was ist jetzt oder was sind heute deine ersten Gedanken?
00:03:06: wenn du jetzt weißt wir sprechen über Tod und Sterben?
00:03:10: Das Das kann ja ein bisschen schwierig für mich zu sagen, weil auch in diesen Tagen der Todestag von meinem Papa ansteht.
00:03:21: Was bedeutet, dass es mich eigentlich auch sehr auf das Thema wirft?
00:03:25: Würdest du mir diese Frage sagen.
00:03:27: Wir vor drei Monaten stellen?
00:03:28: dann wird die Antwort wahrscheinlich anders sein.
00:03:30: aber im Moment spüre ich schon, dass ist ein bisschen schwerer fällt darüber zu sprechen also dass das thema auch wieder ein bisschen präsenter ist bei mir im leben.
00:03:39: generell geht das bei mir in zwei richtungen einerseits dass es wahnsinnig wichtig ist dass wir als gesellschaft darüber reden dass wir mehr darüber reden und auf der anderen seite Ich persönlich nicht mehr so gerne darüber rede.
00:03:52: Warum?
00:03:53: Weil ich das sehr lang gemacht habe, also gefühlt sehr lange.
00:03:58: Ich hab nach dem Tod von meinem Papa ... eben ein paar Jahre danach einen Artikel über sein Tod geschrieben, dann das Buch.
00:04:06: Das war für mich wahnsinnig heilsam.
00:04:08: es war unglaublich wichtig für mich das zu schreiben das in Worte zu fassen und mich auszudrücken auch ein bisschen eine Debatte darüber anstoßen zu können.
00:04:17: Und die jahre darauf habe ich sehr viel zu dem Thema gemacht Lesungen Seminare Ich bin herum getourt in Deutschland Österreich Schweiz und irgendwann hab sehr viele Interviews gegeben Texte darüber geschrieben Und nach ein paar Jahren habe ich gemerkt, dass es vielleicht anderen gut tut aber mir nicht mehr.
00:04:40: Oder auch, dass es mich wahnsinnig viel Kraft gekostet hat.
00:04:43: Vorher ging's mir nicht zu gut, weil ich sehr nervös war und aufgeregt.
00:04:46: Das hat sich nie ganz gelegt.
00:04:48: Währenddessen war ich ständig so bemüht, weil das Thema so schwer ist, dass ich den Publikum nicht so schwer mache.
00:04:55: Ich hab versucht, das so auf eine Leichtigkeit zu machen, die zwar jetzt natürlich angemessen ist aber gleichzeitig den Zuhören vermittelt.
00:05:03: Mir gehts aber gut!
00:05:04: Es ist alles in Ordnung.
00:05:06: Und das hat mich extrem viel Kraft gekostet und die Tage danach ging es mir schlecht.
00:05:12: Natürlich hat's auch immer wieder neue Bilder in mir erzeugt, dann kommen die Leute zu dir und wollen über ihre Todeserfahrungen reden Hört man natürlich zu, man nimmt's mit.
00:05:24: Man reagiert darauf und so beschäftigt einen.
00:05:26: Da waren ganz grässliche Dinge dabei, die man da mitnimmt.
00:05:31: Und irgendwann hab ich einfach begriffen, es ist besser.
00:05:33: Ich mach das nicht mehr.
00:05:36: Hab das dann ein bisschen auslaufen lassen.
00:05:38: Das letzte Buch, dass ich bisher geschrieben habe, das mit Peter ... Da war nicht klar, dass er stirbt in der Zeit.
00:05:45: Sonst hätte ich es wahrscheinlich gar nicht geschrieben.
00:05:47: Es war klar, er ist krank.
00:05:48: Es ist klar, wir werden das thematisieren.
00:05:50: Dass er krank ist und dass es eine Art Rückblick auf sein Leben ist.
00:05:58: Wir haben es quasi abgeschlossen und ein paar Tage später war er tot.
00:06:02: Das hat mich sehr hart getroffen.
00:06:07: Rückblickend glaube ich, hätte es gar nicht geschrieben, wenn das irgendwie absehbar gewesen wäre.
00:06:12: Ja, keine lange Antwort!
00:06:17: Und viele interessante Punkte.
00:06:20: Das Erste, wo ich jetzt kurz einhaken möchte ist das... Weil du gesagt hast dann eben auch viele Vorträge gemacht, Interviews gegeben und da auch ein bisschen darauf geachtet dass es nicht ganz so schwer rüber kommt wenn ich das richtig verstanden habe
00:06:36: um
00:06:37: also das ist jetzt quasi mit Fragezeichen gesagt die Menschen nicht zu sehr zu belasten mit dem Thema und aber trotzdem darüber zu reden, also ist das so zu verstehen.
00:06:47: Und könnte man es, findest du auch anders tun?
00:06:50: oder könnte man sie schon belasten beim drüberreden?
00:06:54: Wäre das dann weniger auslaugend für in diesem Fall jetzt dich zum Beispiel?
00:06:59: Also ich bin mir sicher immer ganz anders machen.
00:07:02: Das kommt wohl auf die Person drauf an, die es macht.
00:07:05: Das Thema ist belastend.
00:07:07: Also das erste Buch, über das ich geschrieben habe, ist der Suizid meines Vaters.
00:07:11: Das ist auf viele Arten belastende.
00:07:13: Da geht es nicht nur um Todes, geht auch um die Art des Todes und um ein Tabuthema.
00:07:20: Dass noch größer ist als dass Tod sowieso ein Tabu ist.
00:07:24: Ich hab versucht es leichter zu machen, meine ich nicht, dass es nicht schwer war für die Zuhörenden.
00:07:31: Was ich meine ist, Und damals auch wollte, dass alle die das hören etwas mitnehmen können für sich selbst.
00:07:42: Dass sie irgendwo sehen, dass es Sinn macht darüber zu sprechen.
00:07:46: Das ist gut ist wenn man sich öffnet.
00:07:49: Dass Sie nichts falsch gemacht haben.
00:07:51: Dass Schuld, dass viele empfinden gerade bei diesem Thema hier nicht angebracht ist.
00:07:56: und dazu was wichtig finde ich, dass ich zeige, dass Ich das kann und dass ich darüber rede und dass Es mir gut geht Und das tat es ja auch.
00:08:05: Es war nicht so, dass ich das gespielt habe.
00:08:08: Aber vor hunderten von Menschen zu reden und sich so zu öffnen und das aufzumachen, diesen inneren Schmerz so zu zeigen ... Das ist wahnsinnig anstrengend!
00:08:19: Trauern an sich ist anstreggend aber als öffentlich zu tun nimmt noch mal was weg.
00:08:24: Und mich selber wieder ein bisschen zutrösten und rauszunehmen Und diese Bilder an meinen Papa gut zu verarbeiten, die da auch immer hochgespült werden.
00:08:34: Das hat einfach sehr viel Kraft gekostet und insofern ist es das glaube ich was sich meine mit es leichter machen.
00:08:43: Ich wollte nicht dass jemand kommt Zu einer Lesung von mir und dann weinend da sitzt und sagt das Leben hat sowieso keinen Sinn.
00:08:50: Also das und in die Richtung kann's schon auch gehen.
00:08:54: also das mein ich weil schwer ist es immer
00:08:58: Und trotzdem redest du noch manchmal darüber, also jetzt zum Beispiel auch mit mir.
00:09:02: Ausgewählt?
00:09:03: Ja!
00:09:05: Also ausgewählt sprichst du noch darüber weil es gab.
00:09:07: aber ich habe auch geschaut in einem von den Podcasts der offen gesagt da gab's auch ein zwei Folgen wo es um dieses Thema geht.
00:09:16: das heißt hin und wieder tust du's und dann ist es aber auch für dich in Ordnung oder interessant oder wie ist es denn?
00:09:25: Ein wahnsinnig wichtiges Thema, finde ich.
00:09:27: Und es ist mir wichtig und ich find's sehr gut dass darüber gesprochen wird und ich hab auch vor ein paar Monaten gab's einen assistierten Suizid von Nikki Glattauer und da habe ich mich auch zu Wort gemeldet.
00:09:42: Da hab' ich einen Kommentar in der Presse veröffentlicht.
00:09:44: Ich war im Podcast beim Falter.
00:09:46: Also ich hab schon eine Stimme und eine Meinung dazu und das geht mir gar nicht darum die jetzt irgendwie.
00:09:53: Ich weiß nicht, dass ich glaube, dass mich nicht äußern sollte.
00:09:57: Aber ich glaube je... Also nein, ich glaube so!
00:10:01: Ich habe ziemlich gut gelernt in diesen Jahren nach diesem Todesfällen auf mich zu achten gerade weil es am Anfang nicht möglich war auf mich zur Achten.
00:10:11: und wenn ich jetzt merke das etwas nicht gutes für mich dann schaue ich ganz genau hin und versuche ganz genau herauszufinden warum ist das so?
00:10:20: was erzeugt das in mir Und ohne überstürzt zu handeln, dass ich die Weichen so stelle.
00:10:26: Dass es mir besser geht und Ich merke das wenn ich das so kontrolliert mache und ab und zu Wenn's mir wirklich wichtig ist oder wenn ich Das Gefühl habe hier ist es gut aufgehoben dann mach ich Es.
00:10:38: aber es ist ein unterschied ob man zwei lesungen Die woche macht und unterwegs ist.
00:10:42: umso mehr freue ich mich dass du mit mir darüber sprichst.
00:10:46: Ich würde es noch interessieren, was du hast kurz erwähnt.
00:10:49: Du hast dich immer auch geäußert zu dem assistierten Suizid von Nicky Gladdauer.
00:10:53: Vielleicht magst du's, ich weiß nicht ob man das kurz zusammenfassen kann aber muss auch nicht kurz sein, da interessiert mich schon auch dein Zugang, ob du es kurz sagen möchtest wie du dazu stehst.
00:11:06: also jetzt allgemein zum Thema?
00:11:09: Ähm...ich
00:11:10: glaub Kurz zusammengefasst ist es so, dass ich finde, wenn jemand sterben möchte und es gibt diesen assistierten Suizid.
00:11:19: Dann bringt einen das zumindest soweit, was man drüber spricht.
00:11:24: Also Nicke Glatter musste diesen Wunsch formulieren.
00:11:26: Er musste Ärzte finden die sagen, das ist in Ordnung er musste mit seiner Familie reden Und der durfte Abschied nehmen und alle anderen die ihn kannten und seine Familienmitglieder konnten auch abschiedtnehmen.
00:11:38: Das ist etwas, was sich bei meinem Papa nicht hatte Und ich wünschte mir schon, er wäre dazu gezwungen worden.
00:11:45: Weil er gewusst hätte, okay es gibt diese Art des Abschieds, er kann so sterben.
00:11:50: Er muss nicht alleine sich im Hof erschießen wie's war was ja auch ein ganz grässlicher Gedanke ist und auch wer will zu sterben?
00:12:00: das heißt dass er diese Möglichkeit, wenn er sie gesehen hätte und die damals gegeben hätte was es eben nicht gab dann wäre er vielleicht zu uns gekommen.
00:12:09: Dann hat er mit uns gesprochen Und selbst im allerschlimmsten Fall wenn wir nicht irgendwie einhaken hätten können und irgendwie dafür sorgen dass da doch noch etwas passiert und er weiter lebt Hätte ich immer noch die Chance gehabt bei ihm zu sein seine Hand zu halten mich zu verabschieden.
00:12:24: Das macht einen Unterschied für mich.
00:12:26: Ich wünscht mir das ist das gegeben hätte und ich wünsche mir Also ich glaube, dass dieses darüber sprechen.
00:12:32: Das sind mir ein ganz großes Anliegen und ich glaube das, da es durchgefördert wird.
00:12:36: insofern ich finde gut, dass es das gibt
00:12:41: ja.
00:12:42: Das habe ich nämlich auch gelesen.
00:12:44: oder glaube ich in einer Lesung von dir die ich mir angehört hab, dass du ihm gesagt hast diese sich nicht verabschieden können und da habe ich mich dann eben eh gefragt was du jetzt schon beantwortet hast wie groß ist der Unterschied wenn man diese Möglichkeit hat, würde es das dann sehr viel leichter machen?
00:13:02: Also zwei Wochen bevor mein Papa tot war, war ich in Burgenland zu Hause.
00:13:07: Und ich erinnere mich genau als er an der Küchentür stand und ich wollte nach Wien fahren und er ist zu mir gekommen und er hat mich umarmt.
00:13:17: Er hat gesagt dass er mich liebt und dass er hofft, dass ich gut üben denke wenn er tot ist.
00:13:26: Mein Papa war immer ein bisschen Dramatisch, das so.
00:13:30: Also es war jetzt nicht wahnsinnig überraschend oder so und wir haben uns oft gesagt, dass wir uns lieb haben aber er hat mich ganz fest umarmt Und ich bin nach Wien gefahren und ich habe ihn nie wieder gesehen und Ich weiß jetzt also ich bin mir ganz sicher, dass er wusste, dass sie uns nicht mehr wiedersehen Aber ich wusst's nicht.
00:13:46: Das ist ein ganz schlimmer Gedanke für mich.
00:13:49: Jetzt nicht mehr so, aber das hat mich sehr lang verfolgt und Es ist halt so.
00:13:56: man glaubt irgendwie dass man weiß, was es heißt wenn ein Mensch nicht mehr da ist.
00:14:02: Aber man weiß es nicht!
00:14:03: Es ist etwas ganz anderes.
00:14:04: der Mensch ist weg für immer diese Entgültigkeit das Dinge nie wirklich gesagt werden können Das Dinge nie zu Ende gesprochen werden können Dass einem diese Möglichkeit genommen wird.
00:14:18: damit habe ich wahnsinnig lange hadert und deswegen ja Ich hätte wahnsinnigt gerne mich verabschiedet.
00:14:29: Wenn der Todestag naht, hast du gesagt er ist jetzt demnächst.
00:14:35: Dann ist es jedes Mal noch ... Auch wenn's schon viele Jahre her ist, kommt da jedes mal das wieder?
00:14:43: Ich find's ganz komisch weil mein Vater ist also in den Acht gestorben.
00:14:48: Mein Bruder ist auch in den Vier gestorbt.
00:14:52: Vielleicht reden wir dann noch drüber aber genau und das heißt, dass ist schon eine ordentliche Zeit hier.
00:14:59: Und trotzdem merke ich in den Wochen vor dem Todestag, dass ich mich veränder und oft weiß ich noch nicht mal warum das so ist.
00:15:07: Ich merke einfach, ich werde irgendwie feinfühliger... ...ich merke, ich habe öfter mal einen Knoten im Hals, ich merke dass mich Dinge mehr beschäftigen oder dass sich emotionaler reagiere auf Dinge.. ..und dann fällt mir oft ein okay alles klar der Todesttag!
00:15:23: Und irgendwie ist es auch immer ein bisschen eine Erleichterung weil ich dann kann ich singt wie verorten und ich weiß warum fühle ich so?
00:15:31: Aber ja, ich glaube und jetzt kann ich irgendwie so drüber reden.
00:15:36: Und das ist nicht zu schlimm aber ganz am Anfang in den ersten Jahren das Gefühl zu haben dass dieser Tag der Tag ist ab dem ich nie wieder sehen werde.
00:15:45: Das hat was verändert für mich und es hat mich verändert und das war so ein Einschnitt In mein Leben.
00:15:52: das hat mein Leben einfach geteilt in das davor und danach und Irgendwie wird das symbolisch immer ein schlechter Tag für mich bleiben.
00:16:02: Und ich werde immer an diesem Tag auf die Uhr schauen und wenn es kurz vor zehn ist, werde ich dran denken ... dass er alleine war und verzweifelt war offenbar.
00:16:13: Dass er sich getötet hat.
00:16:16: Das wird immer wehtun.
00:16:18: Ich glaube nicht, dass es eine Zeit geben wird, wo mir das egal ist.
00:16:22: Ist das auch ... Ich weiß gar nicht, ob jetzt nicht die Frage ... Also, ob man das überhaupt so fragen kann oder keine Ahnung sagst du mir.
00:16:31: Aber ist der Suizid-Tag anders?
00:16:36: Oder dramatischer schlimmer als der Tag, wo dein Bruder gestorben ist und kein Suizide war?
00:16:44: Ja bestimmt!
00:16:46: Für mich deswegen, weil mein Bruder ist im Schlaf gestorbt am geplatzten Blutgerinsel im Kopf Und das war einfach nur traurig Aber
00:16:56: auch völlig unvorbereitet?
00:16:58: Ja, völlig unverbereitet.
00:17:00: Mein Vater hat ihn gefunden und vielleicht dreht man dann nachher noch mal über dieses Unvorbereitete.
00:17:07: aber es macht einen Unterschied für mich weil empfunden habe ich einfach trauer.
00:17:14: das war das Traurigste was mir hätte ein bisschen können und dass ist unfair war.
00:17:19: das waren so glaube ich die Hauptemotionen die ich empfund hab sich getötet hat.
00:17:25: Das war so viel komplexer, also natürlich war ich traurig aber auch wütend.
00:17:30: Ich war total vor den Kopf gestoßen und habe mich schuldig gefühlt.
00:17:37: Es gibt zwei Menschen die mich gezeugt geboren aufgewachsen lassen haben dass man meine Eltern unter einmal ist.
00:17:45: einer weg bricht einfach weg ja tötet sich ohne was zu sagen.
00:17:50: Die ganze Sicherheit war dahin, das Selbstbewusstsein war da hin.
00:17:54: Alles habe ich rückblickend hinterfragt.
00:17:56: wie konnte ich das nicht merken?
00:17:58: Wie konnte ich es nicht anmerken?
00:18:00: und so merke ich anderen Menschen vielleicht auch Dinge nicht an.
00:18:03: also alles war auf einmal anders und das heißt dieses komplexe Angefühlen durch dass sich der erst mal durch musste in den ersten Jahren fühlt sich anders an als jetzt.
00:18:15: bloße Trauer.
00:18:17: jedenfalls ist bei mir so her.
00:18:19: Ja, genau und zu dem plötzlichen Sterben.
00:18:24: Das ist halt auch so eine Sache an ... Ich weiß nicht wie das ... Aber wo ich sehr lange gehadert hab nämlich das Gefühl, nicht nur zu haben wir wissen alle unser Leben ist endlich Und es kann sein dass es von heute auf morgen aus ist und Dass jemand auf einmal nicht mehr da ist.
00:18:39: aber das Zuwissen ist irgendwie vom Verstand her was andere.
00:18:44: also Es is ein verstandsache und sie ist anders als wenn du auffachst in der Früh und deine Welt ist eine andere.
00:18:51: Und da gibt es kein Puffer, keine kurze Pause die du drücken kannst damit du dich umstellen kannst sondern das is einfach anders.
00:18:59: Das zweimal erlebt zu haben in einer relativ kurzen Zeit als ich relativ jung war hat mich sehr viel gekostet an Energie.
00:19:10: was ich an Angst verspürt hab dieses wie auf einem Drahtseil Akt durchs Leben marschieren, weil man einfach weiß, man stürzt einfach jeden Moment runter.
00:19:19: Niemand wird dich vorher fragen, niemand ruft dich vorher an und das hat sehr viel verändert und ich glaube dass macht auch die Trauer schwerer weil einfach dieser große Punkt dann Angst dazu kommt.
00:19:32: Also du kannst nicht langsam Stück für Stück abschieben nehmen.
00:19:34: Meine Mama hat das damals wirklichen mit einem Mobile, also dass eine Familie ist wie so ein Mobile, wie so einen Windspiel und wenn du eins davon abschneidest, dann kippt das ganze Mobile genau.
00:19:44: Und wenn du es aber langsam an den Rand führst, dann pendelt sich das Mobile immer wieder aus.
00:19:50: Das heißt, wenn du dich langsam verabschieden kannst, können die anderen sich anders Ordnen.
00:19:55: Man kann anderes Gleichgewicht innerhalb einer Familie finden oder in einem Freundeskreis, aber wenn das einfach abgeschnitten wird zweimal dann rastelt das ganze Mobile runter und so fühlt sich es an.
00:20:06: also so war das Gefühl und dass wieder irgendwann stabil zu kriegen ist wirklich anstrengend finde ich.
00:20:13: Also ich merke erst jetzt, lustigerweise in den vergangenen Jahren.
00:20:17: Wie anstrengend das war?
00:20:19: Weil währenddessen arbeitest du dran und du funktionierst.
00:20:21: Du glaubst hey!
00:20:22: Ich schaff das schon... also du schaffst es auch.
00:20:24: aber du glaubst doch Das wird wieder wie früher und so.
00:20:27: Und bis da sind so viele Schritte habe ich das Gefühl nach ihnen die so viel Energie abziehen Das merkt man gar nicht.
00:20:36: Und diese Angst, die du eben auch angesprochen hast Es hat dir viel abverlangt unter anderem diese viele Angst und um die geht es ja auch viel im zweiten Buch.
00:20:46: Hattest du davor, bevor dein Bruder gestorben ist?
00:20:51: Auch Angst vorm Sterben schon oder nicht?
00:20:55: Oder war das irgendwie kein Thema weil eben du warst ja Anfang zwanzig oder so glaube ich?
00:21:00: Überhaupt kein Thema für mich.
00:21:02: Es ist auch sehr interessant, weil ich hier meine Zeitlänge zu viel dazu gemacht habe und die Leute irgendwie glauben dass das irgendwie ein prägendes Thema vorher schon in meinem Leben war überhaupt nicht... Ich war auch keine dieser Jugendlichen, die sich viel mit dem Thema Tod beschäftigen.
00:21:13: Für mich war das also wirklich ja nicht da!
00:21:19: Und dann ist es halt in mein Leben gekracht und dann musste ich irgendwie versuchen damit umzugehen
00:21:25: Was ich auch interessant fand in dem Buch eine Reise ins Leben, wo es viel um Angst und Angstbewältigung geht.
00:21:32: Schreibst du am Schluss ein Fazit?
00:21:34: Die Angst ist nicht weg aber die Panik ist weg.
00:21:39: Da würde mich interessieren, wo stehst du da heute?
00:21:43: Das Buch war fast zehn Jahre her.
00:21:47: Wie hat sich das mit der Angst weiterentwickelt?
00:21:51: Was zum Beispiel ganz Interessante ist, ich hatte der große Angst davor, dass ich sterbe.
00:21:56: Das hat sich zum Beispiel sofort verändert als ich Mama geworden bin.
00:22:00: Da war ich noch nicht Mama und da ging so viel mehr um mich.
00:22:03: Jetzt habe ich einfach große Angst, dass mein Kind stirbt oder ihm was passiert.
00:22:06: Ich bin jetzt gar nicht mehr so wichtig.
00:22:08: also das es so am Rande passiert.
00:22:11: Und ansonsten habe ich das Gefühl, dass es ein bisschen eine Gradwanderung ist zwischen... Es hält mich irgendwie auf Trab.
00:22:18: Also dieses Wissen um den Tod und wie fragil das alles ist, bringt mich dazu Entscheidungen für mich zu treffen.
00:22:27: Es bringt mich nicht so lange zu ärgern.
00:22:31: Es bringt mich dazu Dinge anzupacken wenn ich möchte ohne Angst haben was andere denken oder ob ich scheitere.
00:22:38: Das ist in mancherlei Hinsicht sogar ein Vorteil.
00:22:40: also weil ich sehe oft Menschen die Dinge nicht tun Weil sie eben Angst haben Was wird man sagen?
00:22:48: Diese Angst verspricht zum Beispiel überhaupt nicht, wenn es schief geht.
00:22:50: Okay dann, morgen ist ein neuer Tag hoffentlich.
00:22:54: und auf der anderen Seite ist da schon noch diese Angst dass eben meinem Kind was passiert das uns Eltern etwas passiert aber eher auch wieder im Hinblick darauf dass es dann schlecht für ihn wäre oder wie kann er damit umgehen?
00:23:13: Und da arbeite ich sehr stark daran dass das total okay ist dass Angst total in Ordnung ist, aber das die Panik nicht da sein sollte und dass die Angst mich nicht davon abhält.
00:23:26: Dinge zu tun.
00:23:27: Es pendelt sich so aus.
00:23:29: Ich glaub irgendwie keine Ahnung, aber wahrscheinlich ich kenn keinen Elternteil ... Dass keine Angst verspürt?
00:23:35: Das sieht was Schlimmes passiert ja!
00:23:39: Insofern glaube ich, was soll man machen?
00:23:41: Das ist ja auch irgendwie Angst um jemanden zu haben, um etwas zu haben.
00:23:45: Ist ja auch eine Adwertigkeit.
00:23:48: Die Frage ist, hältst du uns davon ab, Dinge zu tun.
00:23:53: Was denkst du
00:23:54: da zum Beispiel?
00:23:55: Reisen.
00:23:56: Ganz wirklich so Dinge schränkt es mich in meinem Leben ein.
00:24:00: Wenn ich verreise immer kurz bevor wir wegfahren, habe ich panische Angst, dass jetzt was passieren wird.
00:24:06: Dass mir etwas passieren wird und auf der Fahrt etwas passieren würde.
00:24:10: Und dann sind da ein paar Minuten ... Ich werde deswegen nicht zu Hause bleiben.
00:24:16: Ich werde mich davon nicht einkriegen lassen und dann vergeht die wieder, aber ich glaube an so was denke ich zum Beispiel
00:24:22: ja.".
00:24:23: Was würdest du denn sagen eben?
00:24:25: Du hast das jetzt selber auch schon gesagt!
00:24:27: Du hast den Tod sehr früh erlebt, erleben müssen.
00:24:30: Du hast in den unterschiedlichen Facetten, auch in besonders herausfordernden Facetten erleben können.
00:24:38: Was würdest du denn von diesen Erlebnissen sagen, durchmachen musstest, hat dich da am stärksten geprägt.
00:24:49: Wenn man das so sagen
00:24:50: kann.
00:24:52: Das ist schwierig
00:24:55: oder vielleicht auch anders gefragt?
00:24:58: Was ist das was heute von diesen Erlebnissen noch am stärken für dich präsent ist und dich in deinem Leben vielleicht auch in deinm Alltag prägt?
00:25:12: Ja es ist schwierig weil Sie ist alle auf unterschiedliche Art tun.
00:25:20: Also ich hab irgendwie das Gefühl, dass ... Ich das nicht so gut trennen kann.
00:25:27: also wenn ich an den Til denk meinem Bruder dann der Anruf meines Vaters.
00:25:33: Also mir gesagt hat er's tot und ich dachte es sind Scherz.
00:25:39: Und dann aber irgendwie ist es auch so dran gekoppelt Dass sich sofort auch den Til sehe in Den schönsten Momenten An Erinnerung, die ich habe an ihn zum Beispiel bei Tiles ist es ganz stark sein Lachen.
00:25:54: Weil ich kenne niemanden der so lacht wie er.
00:25:57: Also seine pure Freude heraus.
00:26:01: Bei meinem Papa diese Vorstellung ist ganz stark dass er da in diesen Hof geht.
00:26:09: das Bild als wir am nächsten Tag hingefahren sind wo das Blut war wird dich nie vergessen und ist aber auch wieder gekoppelt ... an meinen Papa, der einfach toll war.
00:26:24: Und auch bei Peter zum Beispiel jetzt... Da war es eine ganz andere Art von Tod für mich eben weil da war dann irgendwann Abschied nehmen da und da waren auch Gespräche da aber dafür hatte ich zu ihm kein Naheverhältnis.
00:26:41: Also irgendwie prägt mich alles auf eine unterschiedliche Art.
00:26:46: also vom Thiel nehme ich mit dieses einfach Lachen dürfen.
00:26:51: Und wenn schöne Momente passieren, stehen zu bleiben und die zu genießen, das habe ich ganz stark verinnerlicht.
00:26:56: Das hat der Tod sicher irgendwie in mir noch mal stärker rausgeholt.
00:27:01: Mein Papa ist es wirklich sein Leben so zu leben wie man glaubt, dass er's einem gut tut und seiner Leidenschaft nachzugehen und einfach Dinge auszuprobieren.
00:27:12: Also irgendwie ... Es sind unterschiedliche Dinge.
00:27:16: Glaubst du?
00:27:18: Dass du ... Also wenn dir diese Dinge nicht passiert werden, wenn du diese Erfahrungen nicht machen hättest müssen.
00:27:25: Wärst du viel eine andere als du jetzt heute bist?
00:27:29: Oder glaubst du ist man halt die Person und vielleicht sind das eher nur kleine Wesensänderungen oder...
00:27:40: Also ich glaube ... Als erstes möchte ich sagen, ich bin überhaupt kein Anhänger davon.
00:27:45: Dass man sagt, man lernt aus allem etwas oder man muss aus allem was lernen.
00:27:50: Ich halte das für total falsch.
00:27:51: Ich finde, manche Todes sind einfach unsinnig und fair.
00:27:57: Man muss überhaupt nichts draus lernen.
00:27:59: Also man muss einfach schauen wie man weiterlebt.
00:28:01: aber ich find dieser Gedanke so... Wir trösten uns immer damit.
00:28:03: sowas hast du damit für dein Leben mitgenommen?
00:28:08: Und ich bin mir sicher, ich wäre eine andere.
00:28:10: Aber ich glaube auch nicht dass ich diese Learnings, wenn man so will die ich jetzt habe durch diese Touristfälle, nicht auch anders bekommen hätte.
00:28:17: Bin mir sicher ich hätte sie auch anders bekommen aber in weniger schmerzhafte Art und Weise.
00:28:23: zurückzufinden zu mir selber hat mich Jahre gekostet also Ein anderer Mensch, ja.
00:28:30: Ich bin stolz darauf wie ich heute bin und was sich mir geschaffen habe und wie viel Sicherheit ich wieder gekriegt hab.
00:28:36: aber das war ... Hätte ich das nicht müssen?
00:28:39: Wäre es total okay für mich!
00:28:41: Also... Ja.
00:28:44: Würdest du's nicht missen diese ...
00:28:45: Nein überhaupt nicht.
00:28:48: Es ist nichts daran wo ich mir denke, gut dass es passiert aber dafür habe ich.
00:28:52: Das ist in meinem Kopf, da gibt es überhaupt keinen Sinn.
00:28:54: Ich mach keine Rechnungen.
00:28:56: Ich will nicht fluchen oder so, aber hab ich es gebraucht.
00:29:01: Nein, braucht's irgendwer?
00:29:03: Nein!
00:29:04: Es gibt Todesfälle ... Also mir ist klar, wir müssen alle sterben und dass das auch einen gewissen Sinn hat.
00:29:12: Und ich glaube ganz fest, dass es Todesfelde gibt die schöner sind.
00:29:18: Wo man sich verabschieden kann, wo die Menschen selbst loslassen wollen können.
00:29:25: Dann gibts welche, die sind einfach grausam.
00:29:28: Das waren zwei, die waren draußen und ich hätte gerne auf beide verzichtet.
00:29:35: Was ist für dich der Tod?
00:29:38: Naja das Ende des Lebens.
00:29:40: Also das Ende meines Lebens, das Ende allen Lebens.
00:29:44: Ich bin kein gläubiger Mensch oder mehr mal weniger vielleicht aber im Grunde bin ich es nicht.
00:29:50: Also ich glaube... Ich glaube dass ist unser Leben.
00:29:54: also ich glaube das ist das was wir haben jeden Tag.
00:29:59: Wir sollten wirklich das Beste daraus machen.
00:30:02: Und das meine ich nicht nach Maßstäben von, was glaubt die Gesellschaft?
00:30:05: Was ist das beste an einem Leben?
00:30:07: oder was glauben andere?
00:30:09: Sondern was ist für mich das Bste dass sich haben kann in diesem Leben?
00:30:13: und Ich bin schon jemand der gerne alles haben möchte und alles erleben möchte Was nur geht weil ich glaube dass ich sterben werde und dann wird es aus sein und ich will nichts verschieben.
00:30:27: Und wenn danach irgendwas sein soll, okay, fein?
00:30:30: Dann schaue ich mir das dann an.
00:30:32: aber jetzt glaube ich, dass mein Leben ist.
00:30:37: Deswegen, ich glaube, ich versuche schon mit Menschenprinzipien gut auszukommen.
00:30:41: Ich versuch so zu sein wie ich fühle.
00:30:43: Ich Versuche mich zu entschuldigen, wenn ich glaube es sich falsch liegt darüber nachzudenken Wenn ich ein schlechtes Gefühl habe woher das kommt... im Moment zu sein, Dinge mitzuerleben.
00:30:55: Ich will nicht irgendwann mal alt sein und kurz vom Sterben und mir denken hätte ich noch ein bisschen besser aufgepasst oder hätte ich das nur irgendwie miterlebt?
00:31:03: Oder hätte ich mal da weniger Angst gehabt davor?
00:31:05: Ich will das nicht haben.
00:31:07: also dass es mir ganz stark
00:31:08: eingeprägt.".
00:31:09: Das heißt der Gedanke an die Endlichkeit prägt sehr stark eigentlich deinen Alltag und deinen Tun und...
00:31:16: Ja, eigentlich schon.
00:31:17: Ich habe in diesem zweiten Buch, das ich geschrieben habe – da gibt es einen Kapitel, das mache ich ganz gerne und da hab' ich mit Marc Wittmann geredet – der ist ein ... also der Forsch zum Thema Zeit!
00:31:27: Und wie wir Zeit wahrnehmen?
00:31:29: Das hat mich sehr ... Es hat mich sehr lange beschäftigt, aber irgendwie begleitet es mich immer noch.
00:31:35: Dass quasi die älteren Bewerden das und mehr haben wir das Gefühl, die Zeit verfliegt so.
00:31:39: Und warum ist das so?
00:31:41: Das liegt daran, dass wir Routinen entwickeln, dass wenig Neues passiert, wenig sich ändert.
00:31:47: Dadurch wird's wie eine lange Wurst, die zu dahin fliegt.
00:31:52: In unserer Jugend passieren viele Dinge das erste Mal oder sind viel aufregender.
00:31:55: Dadoch bleiben sie stehen und sind so Marker in unserem Leben und dehnen die Zeit Und das begleitet mich zum Beispiel, dieses Gefühl zu haben.
00:32:06: Dass wir das auch jetzt noch haben können ja?
00:32:09: Auch wenn viel mehr Routine ist und auch viel mehr Kehrarbeit und je älter man wird, desto mehr Aufgaben hat man zu machen und es ist hart oft das Leben aber auch da Momente zu schaffen wo man weiß rückblickend man wird sich daran erinnern die Strecken die Zeit das ist mir sehr wichtig.
00:32:27: Das heißt tatsächlich wenn man mehr macht Hat man trotzdem subjektiv, das Gefühl ... im Endeffekt mehr Zeit zu haben?
00:32:36: Oder vielleicht nicht.
00:32:38: Aber dass die Zeit nicht so schnell verfließt.
00:32:40: Ja, weil es mir ... Also wenn man zum Beispiel zurückblickt auf das letzte Jahr oder auf das vergangenen Jahr und man denkt sich sehr schnell vergangen.
00:32:49: Und dann fängt man an, sich jeden Monat anzuschauen.
00:32:53: Dann denkt man hier, da waren wir dieses Wochenende in Trieste, keine Ahnung.
00:32:57: Und schau mal, da war der ... Geburtstag und den haben wir so und zu gefeiert.
00:33:02: Also wenn man sich das mit der Lupe so ein bisschen anschaut, auf einmal wird das Jahr viel länger und man merkt was man alles gemacht hat ja und was man Alles geschaffen hat.
00:33:11: Und es gibt so eine Idee die ich mal mitgenommen habe dass sich immer wenn etwas passiert was jetzt heraus sticht aus dem alltag egal ob positiv oder negativ dann schreibe ich auf einen zettel und werf sie in ein krug und Ende des Jahres ziehe ich diesen Zettel raus und dann schaue ich ihn mehr an.
00:33:30: was alles passiert ist in dem Jahr, dass man gar nicht mehr so im Bedechnis hatte.
00:33:35: Weil rückblickend war das irgendwie zack weg.
00:33:37: und dann liest man aber da wie traurig man da war weil das um das vor einem lag.
00:33:42: und dann weiß man jetzt aber okay das haben wir gut geschafft und wir müssen gut hingekriegt und auch freudige Dinge.
00:33:47: also dass man weiß war erinnerst du dich?
00:33:49: Und da war das.
00:33:50: und es können ja auch Kleinigkeiten sein Aber die gehen halt unter.
00:33:54: wenn ein Tag an den anderen so gereit wird und Das zum Beispiel hilft glaube ich dass man sieht das Leben ist lang und da kann man gute Dinge tun.
00:34:03: Man ist nicht ausgeliefert, sondern man kann selber Zeichen
00:34:06: setzen.".
00:34:07: Das ist mir auch beim Lesen vom Buch hängen geblieben worden oder schreibst.
00:34:11: Dann sind wir nach Sylt gefahren um Ausdann zu essen.
00:34:17: Eigentlich so komplett unspektakulär ... Total!
00:34:20: Aber man macht es jetzt einfach.
00:34:22: Man sitzt halt stundenlang im Zug und ist unterwegs.
00:34:26: Es reist dich raus aus dem Alltag und das ist mir auch, habe ich mir gedacht so.
00:34:32: Also es ist mir ein bisschen hängen geblieben, so aha im Zweifel machen!
00:34:36: Ja und das witzig weil Söld war wirklich nicht spektakulär.
00:34:41: aber ich erinnere mich noch genau als wir dort in diesem... wie heißen diese Sessel am Meer?
00:34:47: Ich weiß wie sie aus, die blau weißen
00:34:49: ja genau also in so einem Saßen-Wir.
00:34:52: Und als wir zurückgefahren sind waren wir in dem Geschäft Ein Bahnhof.
00:34:57: Und da war mein Buch, was ja total ... Es war damals ganz fläschig, weil wir so in Sylt standen nur die Syltkrimis und mein erstes Buch.
00:35:07: Aber ich erinnere mich an diese zwei Dinge genau und das jetzt Jahre her und es ist schön!
00:35:13: Das habe ich mir auch angehört, ein Podcast-Gespräch.
00:35:17: Da hast du mit einer ... Ich glaube von der Leiterin Hospiz Caritas oder so jemand gesprochen.
00:35:24: Da hat sie auch erzählt, dass eben eh was man oft hört.
00:35:27: Dass einfach sterbende Menschen kaum sagen, dass sie bereut hätten irgendetwas, ähm ... Was die getan haben?
00:35:35: Sondern eher so das eben diese Dinge bereuen, die sie nicht getan haben und sich aber denken, das hätte ich noch tun sollen.
00:35:42: Ja.
00:35:43: Das geht ja in diese Richtung.
00:35:45: Und das sagt sich natürlich immer leichter.
00:35:49: Und es geht mir auch gar nicht darum, dass man jedes Mal so entscheidet wie man möchte.
00:35:55: Aber manchmal kann man das, also man kann manchmal anders entscheiden und zwar so wie man sich gerade fühlt und wie's gut für einen ist.
00:36:05: Ich wollte noch fragen was du vorher auch gesagt hast eben in diesem Sinne von Du gehst davon aus, hier ist das Leben und das ist die Zeit die du hast und da möchtest du alles haben was du haben möchtes.
00:36:18: Und dann habe ich mich gefragt, hast du es?
00:36:20: Also lebst du alles was du leben möchtest?
00:36:25: Tatsächlich lebe ich ziemlich gut.
00:36:28: Ich arbeite gerade daran dass ich mich nicht so oft ärgere.
00:36:33: Das ist ein bisschen ein Schwachpunkt bei mir.
00:36:35: also ich kann mich wahnsinnig gut ärgern und ich finde das auch nicht schlecht.
00:36:39: aber manchmal als ich arbeite quasi daran es leichter mal wegzuschieben Weil das bringt mal nix, wenn das nur in mir arbeitet und mich verärgert.
00:36:48: Und sonst merkt sie keiner.
00:36:50: Aber ansonsten ... Ja?
00:36:54: Ich trause mich gar nicht so oft sagen oder auch nicht zu genau hinzuschauen, weil ich irgendwie gelernt habe, dass mir das Leben ins Rhein wirkt, wenn es gut läuft.
00:37:02: Aber im Moment muss ich sagen, ich bin wirklich sehr glücklich.
00:37:07: Schön!
00:37:09: Ja...
00:37:10: aber ich kenne das auch
00:37:11: dieses
00:37:12: es dann nicht so ganz sagen wollen und sich dann immer zu denken naja aber wer weiß
00:37:16: ja total das ist schon eher unbegründet.
00:37:22: ich weiß schon und so, aber es fühlt sich ein bisschen anders würde ich dann das Schicksal herausfordern.
00:37:27: Und darauf habe ich wirklich keine Lust.
00:37:30: also ich hoffe dass Schicksale sich an mir ausgetobt und denkt sich ich lasse jetzt mal in Ruhe für immer.
00:37:36: Aber wer weiss das schon?
00:37:38: Meine Mama zum Beispiel die das Leben ja wirklich auch hart gebeutelt hat.
00:37:45: Vor zwei Jahren ist ihr Haus abgebrannt, also wieder aufgebaut worden aber sie ist gerade noch so mit dem Leben davon gekommen
00:37:54: und... Das heißt sie war drin?
00:37:56: Sie war drinnen, hat geschlafen, es war ein Schwelbrand in der Nacht in der Bibliothek von einem nicht eingeschalteten Dreiverteiler, der wohl kontrolliert eure Dreivorteiler Jedenfalls, sie ist gerade so rausgekommen und es geht ja sehr gut jetzt.
00:38:15: Und sie hat ihr Leben wieder sehr ... Aber das war damals schon sehr schwer auch zu sehen wie Sie wirklich eine Zeit lang dieses völlig hoffungslose Gefühl hatte.
00:38:28: warum passiert mir immer was?
00:38:31: Also immer wenn ich quasi mich erfange und ich arbeite hart daran, dass es mir besser geht.
00:38:36: Und ich gebe nicht auf und ich strampel mich ab und ich bin ein guter Mensch.
00:38:42: Trotz alledem verteilt mir das Leben dann irgendwie sicher watschen.
00:38:48: Das hat mich auch ... Da habe ich schon auch ... Das hat mir erstens wahnsinnig leid.
00:38:55: Und zweitens ist das schon so ein Ding.
00:38:59: Das Leben ist manchmal unfair Und hat überhaupt keinen Sinn in dem, wie es sich ausprägt.
00:39:06: Aber das ist interessant weil mein Mann ist da ganz anders und mein Mann is irgendwie so... Also er sagt das nicht, dafür so gefühlt wenn man hart für etwas arbeitet, sich anstrengt dann funktioniert das ja der dann irgendwie unerschütterliches Vertrauen darin dass die Dinge dann schon gehen Und dass das schon wird und auch wahnsinnig viel Geduld.
00:39:35: Ich habe überhaupt keine Geduld, er hat sehr viel, es trifft sich gut und er hat mir da auch sehr geholfen in dieser Sicherheit und ich bin nicht verflucht ja?
00:39:46: Es passieren anderen Menschen auch schlimme Dinge.
00:39:49: Das heißt nicht nur mich das trifft!
00:39:53: In diesem Glauben oder auch in dieser Möglichkeit so zu denken, dass man aktiv sein kann Also dass man nicht passiv allem ausgeliefert ist, sondern ich kann Dinge gestalten und ich kann sie tun.
00:40:05: Und dann geht halt mal was schief ja?
00:40:07: Dass solche Dinge so wahnsinnig schief gehen wie bei mir das der Fall war, das ist auch nicht die Norm.
00:40:13: Und irgendwie über die Jahre, wir sind jetzt elf Jahre verheiratet also setzt sich dieser Gedanke in mir schon ein bisschen fest und hilft mir.
00:40:23: Ich wollte jetzt auch noch fragen du erzählst auch... Auch in dem Buch Von deiner Oma, die ... auf jeden Fall war sie irgendwann, ich weiß nicht, ob sie noch älter geworden ist.
00:40:39: Ich glaube, sie war, aber ich ... Ja?
00:40:44: Aber
00:40:45: von deinem Gespräch damals war sie, und du schreibst immer gesagt, ja, du wirst noch hundert.
00:40:51: Sie hätte gesagt irgendwie nein, will sie überhaupt nicht einmal!
00:40:55: Und du hast dann geschrieben, das wundert dich und das kannst du nicht verstehen.
00:41:01: Wie siehst du das heute?
00:41:02: Kannst du das nachvollziehen mittlerweile?
00:41:05: oder sagst du immer noch, kann ich nicht verstehen?
00:41:09: Das ist ja über eine lustige Geschichte weil ... Ich weiß nicht ob das heute noch so ist aber in Wien ist es üblich dass wenn du hundert wirst, kommt der Bürgermeister Und meine Oma hatte wahnsinnige Angst, dass irgendwann die FPÖ den Bürgermeister stellt.
00:41:21: Und diese Vorstellung das sie wird hundert und es kommt der blaue Bürgemeister hat sich glaube ich auch... Das war so, da scherzt dann immer so Gott hoffentlich werde ich nicht hundert.
00:41:31: Gut mittlerweile wäre sie hundert!
00:41:33: Es gibt immer noch einen ruten Bürgmeister also für Sie wäre alles gut.
00:41:38: Egal Ich kann das besser verstehen.
00:41:40: jetzt ja Die älter.
00:41:42: ich werde Verstehen, glaube ich langsam.
00:41:46: Dass man irgendwann einfach ... dass es irgendwann gut ist und dass man irgendwann loslassen kann und auch will.
00:41:52: Und ich meine, es ist im Moment so ein bisschen ... Ich kann's ein bisschen besser verstehen aber ich empfinde es noch nicht.
00:42:01: Aber
00:42:02: das heißt du hast bei ihr auch diese Art von Tod schon miterleben?
00:42:06: Ja,
00:42:07: das stimmt.
00:42:07: Dürfen kann man wahrscheinlich sagen...
00:42:09: Ja, stimmt!
00:42:12: Du hast jetzt auch schon gesagt, dass du quasi dieser Gedanke der Endlichkeit in deinem Alltag sehr präsent ist und du entsprechend lebst.
00:42:22: Also dir dessen sehr bewusst bist und du auch entsprechend lebt.
00:42:25: Ist es dennoch so in deiner Vorstellung wenn man dir sagen würde, du hast nur noch diese bestimmte Zeit das du Dinge anders machen würdest oder ändern würdest?
00:42:35: Oder glaubst du würdest du so weiterleben, soweit man sich das vorstellen
00:42:40: kann?
00:42:42: Gute Frage.
00:42:45: Also ich habe eine sehr kurze Bucket List, so nennt man das oder?
00:42:49: Genau.
00:42:51: Wirklich sehr kurz.
00:42:53: Vielleicht zwei drei Dinge die da drauf stehen.
00:42:54: Was steht denn drauf?
00:42:58: Ich will unbedingt ein Roadtrip durch die USA machen.
00:43:01: Das wollte ich schon immer mal machen.
00:43:04: Mein Mann und ich wollten das dann machen.
00:43:06: Da bin ich Schange geworden und mit einem Säugling machst du es nicht.
00:43:10: Aber das ist so was, was ich mir irgendwie zusammengeträumt habe.
00:43:14: Ich weiß nicht worum aber ... So wie in einem Lynch-Film wo du in diesen kleinen Diner gehst oder ... Ich weiß es nicht.
00:43:22: Das würde ich gerne machen und da stehen noch zwei, drei kleine Dinge drauf.
00:43:28: Aber im Grunde wenn ich das nicht machen könnte dann wäre's auch nicht zu schlimm glaube ich.
00:43:34: also ich schiebe eigentlich nicht wirklich etwas auf.
00:43:40: Wenn ich was aufschiebe, dann deswegen.
00:43:42: Weil's halt einfach grad nicht machbar ist wegen Dingen wie Schule oder ... weiß ich nicht so.
00:43:51: Also einfach organisatorischen Randbedingungen und so.
00:43:56: Aber sobald sich ein Fenster öffnet, mache ich es eigentlich.
00:44:00: Aber ich bin auch wahrscheinlich relativ schnell zufriedenzustellen, ich weiß nicht.
00:44:05: Ich bin einfach froh damit einen... ein okayes Leben zu führen und mit Menschen zu sein, die ich sehr liebe.
00:44:15: Also ja ... Ich weiß nicht.
00:44:17: Das ist auch gut?
00:44:20: Ja!
00:44:20: Ich überlege gerade so.
00:44:22: Aber ich glaube ... Nee, ich wüsste nicht, dass ich es wahnsinnig viel ändern würde.
00:44:28: Und gibt's irgendeine Sache noch in deinem Leben eine bestimmte, wo du sagen würdest?
00:44:33: Wenn ich die Herzhaubern verändern könnte, dann wärs perfekt Dann wär's super.
00:44:42: Was meinst du?
00:44:43: Alles!
00:44:45: Also quasi etwas, was du sagen würdest.
00:44:50: und wenn ich keine Ahnung zaubern könnte ... Würde ich das und dass...
00:44:55: Ja also wenn ich zaubern könnte, ich würde halt wahnsinnig gern meinen Papa, meinen Sohn vorstellen.
00:45:02: Und auch sein Onkel.
00:45:03: Ich glaub' das wäre wirklich toll und das tut manchmal auch wirklich weh, dass es nicht möglich ist.
00:45:10: Ich weiß einfach, dass das wirklich schön wäre.
00:45:16: Und es tut mir sehr weh auch ... Das ist halt dann so der Kämpftaltern die Vernunft gegen das Herz weil ich weiß er hat das nicht gemacht er lustig war und es irgendwie sich töten wollte, sondern das hatte einen Grund.
00:45:33: Er konnte nicht warten.
00:45:35: aber mein Herz sagt mir natürlich wieso hast du nicht gewartet um zu sehen wie sich das alles entwickelt?
00:45:45: Wenn ich zaubern könnte dann würde ich das sofort machen!
00:45:49: Und wenn du sagst du weißt jetzt und er konnte nicht Nachvollziehen, oder kann man das verstehen?
00:46:00: Oder wie ... Wie kann ich mir das vorstellen.
00:46:02: Naja, ich hab sehr damit gehadert mit dem Warum und ich hatte das Gefühl, ich brauch eine Antwort.
00:46:11: Warum ist er tot?
00:46:13: Man hebt es nicht verstanden.
00:46:14: ja, warum is er tot!
00:46:16: Und ich weiß dass da's nicht jedem so wichtig ist aber mir war das extrem wichtig.
00:46:22: Ich werd sowieso nie eine Antwort kriegen.
00:46:24: Ich krieg nur die Antwort, die ich mir gebe Und die habe ich mir zusammengesetzt durch verschiedene Dinge, von denen ich jetzt annehme warum es so gekommen ist.
00:46:35: Das ist gut für mich also damit kann ich leben und das erklärt es für mich und insofern weiß ich dass er... Also nein manches weiß man nicht.
00:46:50: Ich weiß nicht ob er noch leben würde aber ich glaube es jetzt nicht Er wäre jetzt schon relativ alt.
00:46:56: Aber ja.
00:46:58: Und was ist die Antwort, die du dir gibst?
00:47:03: Also ich glaube ein sehr großer Teil, warum er tot ist, der Tod meines Bruders.
00:47:10: Er hat sich ja auch getötet an dem Tag, an dem mein Bruder dreißig geworden wäre.
00:47:15: Bin mir sicher das das kein Zufall ist.
00:47:18: Er hatte sich extrem verändert, auch körperlich nach dem Tod von meinem Bruder und ... Ja, und dann waren es noch ein paar andere Dinge.
00:47:27: Also er war sicher depressiv, hat gern mal zu viel getrunken.
00:47:33: Er hatte sich nicht ... War so ein Mann wie man das quasi damals verstanden hat auch in den Neunzehnten geboren, also wo der Mann jemand ist, der nicht über Gefühle redet oder weint, der das Gefühl hat wenn er sich nicht helfen kann, dann kann ihm auch kein anderer helfen weil es funktioniert die Welt Und das ist ja auch ein großes Problem bei älteren Männern und dass sie auch einen Hauptgrund, warum Sie sich töten.
00:48:00: Weil sie nicht Hilfe ... weil sie nicht reden können und weil sie sich keine Hilfe holen können.
00:48:07: Genau aus all diesen Dingen so zusammengesetzt kriege ich meine Antwort.
00:48:12: Das ist auch so interessant, weil es ging wirklich schlecht?
00:48:20: Eine Zeit lang, also wirklich.
00:48:22: Aber ich wollte das Haus gar nicht mehr verlassen und so.
00:48:25: Es war auch nichts zu, was hätten wir nicht gesagt?
00:48:28: Bitte red mit uns, hol dir Hilfe!
00:48:31: Wir suchen dir
00:48:31: Wena.".
00:48:32: Also es war schon so... Und dann ein paar Wochen vor seinem Tod waren wir auf einmal total gut drauf.
00:48:38: Und es ging ihm richtig gut und er ist wieder rausgegangen.
00:48:42: Schöne Erlebnisse noch mit meiner Mama gehabt und so und wir dachten uns, war super.
00:48:48: Es geht bergauf.
00:48:49: ja Nachher habe ich gelernt, dass viele Menschen, die sich töten wollen ab dem Zeitpunkt, wo sie beschließen.
00:48:58: Dass sie sich tötern werden und wann sie es machen.
00:49:01: Total aufblühen!
00:49:02: Ja weil quasi dann ist diese Entscheidung, das Gefallen, dieses Last sozusagen ist weg.
00:49:07: Es gibt den Weg der vorgezeichnet ist Und da geht's ihnen richtig gut.
00:49:12: Das ist halt so furchtbar Trügerisch.
00:49:16: im Nachhinein denke ich mir Wahnsinn.
00:49:19: wir haben das überhaupt nicht gesehen und verstanden, aber warum auch?
00:49:23: Also ich weiß halt jetzt sehr viel mehr über Suizid als damals.
00:49:29: Gott sei Dank wusste ich damals nicht zuviel drüber.
00:49:32: Aber das sind Dinge wo du so völlig in die Irre geleitet wirst.
00:49:38: Ich weiß es nicht.
00:49:39: Das ist total schwierig.
00:49:41: Ich habe sehr lange versucht nachzufühlen was er wohl gedacht hat, warum er das gemacht.
00:49:53: Es ist sehr interessant, weil ich kann so ein Stück mit ihm gehen.
00:49:56: Ich kann mir vorstellen wie er sitzt in seinem Zimmer und wie er aufsteht, wie er die Waffe nimmt, wie herunter geht, wie durch den langen Gang geht... Und dann verliere ich ihn!
00:50:04: Also es gibt zu diesen letzten Metern, die kann nicht mit dem Gehen.
00:50:07: Ich verstehe das nicht.
00:50:09: Ich will wirklich nicht sterben.
00:50:12: Die Vorstellung, das Leben aufzugeben, also ich kann es nicht verstehen.
00:50:20: Die Leute sagen dann oft zu mir oder früher haben sie zu mir gesagt, ja du musst das akzeptieren und das war sein Wille.
00:50:26: Und ich finde das total verstörend weil natürlich muss sich es akzeptiert.
00:50:31: Ich lebe damit dass ich es akzipiere.
00:50:33: er hat getan was er wollte aber ich muss jetzt auch da mit leben und ich muss für mich ein Weg finden wie ich das so einordne dass ich eben gut damit leben kann.
00:50:42: also und es ist nicht dass ich ihm das absprechen will ich will mir aber zusprechen dass ich darüber reden darf, dass ich Gefühle darüber haben darf und dass ich die aussprechen darf.
00:50:56: Und irgendwie habe ich das Gefühl gehabt oft, dass Menschen glauben in dem Moment wo ich sage, das tut mir weh oder es hat mich verletzt spreche ich ihm quasi diese Freiheit ab, dass er sich doch töten durfte.
00:51:09: Das sehe ich halt überhaupt nicht.
00:51:10: Ich glaube das kann parallel existieren vor allem weil ich ihm das nicht weggenommen habe aber eher mir schon viel.
00:51:17: Also, ja.
00:51:19: Und es ist aber auch so dass wer mein Buch liest also gerade eben das erste wo's da stark geht um diese Auseinandersetzung mit dem Suizid und mit meinem Papa und auch viel um unser Familienleben Das ist voller Liebe!
00:51:29: Da is wahnsinnig viel Liebe Ja?
00:51:31: Und auch das darf existieren nebeneinander.
00:51:33: Ich kann ihn sehr lieben und trotzdem wütend aufhin sein Und das Auszuhalten auch, diese Parallelität von Gefühlen.
00:51:42: Das ist ja auch etwas was im Trauerprozess ganz wichtig ist.
00:51:46: Dass ein Gefühl nimmt er das andere nicht weg.
00:51:48: und es ist total in Ordnung dass du mehrere hast und dass jedes hat seinen Platz und du darfst jedes anprobieren oder ausprobieren und schauen wie's dir damit geht.
00:51:59: Dann kannst du sie wieder verwerfen.
00:52:01: also zum Beispiel Schuld.
00:52:02: Schuld ist ein Riesenthema beim Suizid von Angehörigen.
00:52:07: Ich habe nie wirklich Schuld empfunden.
00:52:12: Und dann einmal ganz kurz, ganz stark und ich habe mich furchtbar gefühlt.
00:52:17: Ich dachte, warum habe ich nichts getan?
00:52:20: Ich hätte ihn retten müssen!
00:52:24: Dann habe ich das anprobiert.
00:52:25: Ich habe versucht wie geht es mir damit wenn ich mich jetzt da vollends schuldig fühle und wenn ich mir diese ganze Schuld auflade?
00:52:33: Du hast das kaputt gemacht und du hast nicht mit ihm geredet.
00:52:36: Und dann habe ich das ausgehalten, diese Gefühle.
00:52:38: Ich hab sie durchgestanden.
00:52:40: Nach einem Tag oder zwei keine Ahnung, habe ich beschlossen, nein, das passt einfach nicht.
00:52:46: So will ich mich nicht fühlen, dass es auch nicht richtig ist.
00:52:49: Dann habe ich sie weggegeben.
00:52:50: aber ich fand es extrem wichtig für mich, dass ich's probiert habe... ...und auch darüber gesprochen habe.
00:52:58: Weil ich glaube, das Schwierigste ist wirklich, dass du all diese Gefülle hast darüber sprichst oder dass sie dir selber nicht erlaubst, weil irgendwann holen Sie dich sowieso ein.
00:53:10: Hast du es jemals auch bereut eigentlich öffentlich über diese Dinge zu sprechen?
00:53:15: Nein nie!
00:53:20: Es ist auch so muss ich auch sagen... Ich habe es mir gut überlegt.
00:53:23: Also es war auch nicht so, dass er irgendwie gestorben ist.
00:53:25: Und am nächsten Tag bin ich dann losgegangen und habe irgendwie drüber geschrieben... Ja, da ist.
00:53:30: ich glaube, ich hab fünf Jahre danach einen Artikel im Standort geschrieben über ihn und über diesen Tod.
00:53:38: Und das heißt, der war schon lange Zeit, wo ich darüber reflektiert hatte.
00:53:44: Und die Resonanz war so arg!
00:53:47: Ich war ja bis zu dem Zeitpunkt schon sehr lang Redakteurin bearbeitet, aber ich habe noch nie so ein Feedback gekriegt.
00:53:55: Ich hab hunderte Zuschriften erhalten und die waren ausschließlich positiv.
00:54:01: Das hat mich damals auch wirklich sehr zu arg, dass das so einschlägt.
00:54:08: Und auch, dass ich gesehen habe wie viele Menschen trauern und wie viel Menschen was mit sich rum schleppen weil man weiß das ja nicht, weil es redet ja niemand drüber.
00:54:16: Aber auf einmal zu sehen wau was da passiert womit Menschen sich umschlagen müssen jeden Tag, was sie hinter dieser Fassade alles mit sich schleppen.
00:54:27: Es war verstörend irgendwie aber auch hat auch gut getan zu sehen dass wenn ich einen Schritt mache andere Das auch tun.
00:54:36: Und das ist bis heute so, also ich krieg bis heute Nachrichten.
00:54:39: Ich kriege Nachrichten von Männern die mir schreiben sie wollten sich töten und dann haben Sie mein Buch gelesen und jetzt haben sie sich Hilfe geholt.
00:54:46: erst unlangsamer einer geschrieben wenn er mit seiner Tochter über die Straße gedenkt hat noch ganz oft daran dass er eigentlich tot sein hätte können aber dann hat er das gelesen.
00:54:56: ja und das ist einfach.
00:54:57: ich meine allein für einmal sowas würde ich es jederzeit wieder machen Wenn du Menschen zeigst, dass man sich öffnet.
00:55:06: Dann öffnen sie sich auch und das kann einfach viel verändern.
00:55:09: Stresst das
00:55:10: auch?
00:55:11: Nein überhaupt nicht.
00:55:12: Das ist
00:55:13: nur ... Nee ich find's einfach schön.
00:55:15: Also stresst mich überhaupt nicht!
00:55:16: Ich hab das hergegeben.
00:55:19: Ich habe es sehr kontrolliert hergegen.
00:55:20: Es ist kein Tagebuch oder so, es ist ein sehr reflektierter Text Und was man dann damit macht und ob man ihn mag und was man rausnimmt, das ist nicht mehr meine Aufgabe.
00:55:32: Das ist wirklich schön.
00:55:33: Es macht mich schon froh, dass es ein schönes Gefühl ist.
00:55:41: Worauf ich in der Auswahl war ... Ich bereue sowieso eigentlich wahnsinnig wenig.
00:55:50: Ich neige überhaupt nicht dazu, weil ich mich kenne in verschiedenen Situationen und man macht mal diesmal das.
00:55:57: Manchmal ist es dumm, manchmal ist es clever.
00:55:59: Ja, so ist das Leben.
00:56:02: Aber ich glaube auch, dass würde ich dazu neigen etwas zu bereuen dadurch, dass die Menschen sehr nett zu mir waren.
00:56:12: nach der Veröffentlichung, glaub' ich erst recht, dass sich's nicht bereue
00:56:19: Wenn du einen Wunsch an den Tod hättest?
00:56:21: Welcher wäre das?
00:56:24: Also auf jeden Fall nehme mich und nicht mein Kind.
00:56:27: Und zweite wäre, gib mir ein bisschen Zeit damit ich das Sterben auch erleben darf.
00:56:35: Weil ich glaube dass das eine total unterschätzt ist vielleicht der falsche Ausdruck aber seine Phase unseres Lebens die es gibt und ich hätte sie gern.
00:56:45: wie gesagt vorher Ich will alles erleben ich will alles auskosten und ich will auch das sterben spüren.
00:56:51: ich will da mitgehen dürfen dass erleben dürfen, wie der Körper sich verändert.
00:56:57: Wie der Geist sich verändert... Ich will noch ein paar Dinge dann tun und wenn es nur ist im Garten zu sitzen und ein Glas Wein zu trinken und einfach mal nur zu hören, dann würde ich das gerne
00:57:10: machen.".
00:57:13: Und wie sollen sich Menschen an dich erinnern?
00:57:16: Wenn du
00:57:16: mal
00:57:17: nicht mehr bist oder woran?
00:57:21: Uiich!
00:57:24: Ich weiß gar nicht, woran.
00:57:27: Also ich hoffe natürlich, dass sie sich mit Liebe erinnern.
00:57:31: Ich denke an mein Kind und meinen Partner.
00:57:36: Ich glaube es ist ganz lustig mit mir oft.
00:57:39: Und ich hoffe, dass Sie sich daran erinnernen, dass man Freude haben kann und gestalten kann ohne Angst zu haben.
00:57:50: Manche Menschen, glaube ich, haben Angst zu Freude zeigen oder zu lachen und ich habe das nicht.
00:57:56: Und ich hoffe, dass ich das zeigen darf und dass man sich daran erinnert.
00:58:02: Gibt es noch etwas, was dir jetzt noch wichtig ist oder wo du sagst, das möchte ich noch?
00:58:09: Das habe ich noch nicht gesagt.
00:58:11: Das möchte ich nog deponieren.
00:58:13: Ja tatsächlich gibt's was.
00:58:14: Und zwar zum Thema Trauer wollte ich noch sagen weil das ist ein großes Thema meines Lebens gewesen.
00:58:25: Was mir damals aufgefallen ist und was mich sehr unter Druck gesetzt hat, war dass die Menschen erwarten, man trauert.
00:58:32: Und dann ist wieder alles okay!
00:58:34: Wir geben dir jetzt einen Monat zwei, maximal drei Monate... ...und dann bist du wieder der, den du vorher warst?
00:58:39: Ja genau, das funktioniert eben nicht so.
00:58:44: Das hat mich damals extrem unter Druck besetzt.
00:58:47: Diese Vorstellung davon ich muss wieder zurück.
00:58:50: Und zu verstehen, dass Trauer in Wellen kommt und geht.
00:58:55: Dass sie ein Grundgefühl ist das wir immer haben.
00:58:59: Und dass man stärker und mal schwächer.
00:59:02: Und ich nie wieder so sein werde wie vorher aber trotzdem glücklich.
00:59:08: Das hat sehr viel für mich verändert Und deswegen ist mir das so wichtig zu sagen, weil unsere Gesellschaft setzt Menschen so unter Druck wenn es um Trauer geht.
00:59:17: Wir haben so eine Vorstellung davon wie Trauer auszusehen hat, wann sie vorbei zu sein hat und da ist einfach alles falsch.
00:59:24: Deswegen finde ich sehr wichtig zu zeigen, Trauern ist ein Prozess.
00:59:31: Man kann ihn schaffen man kann durchgehen aber man muss nicht eine Idealvorstellung davon haben wie sie zu sein
00:59:40: sind.
00:59:41: Dankeschön.
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